Am 17. November wurde die Bildungsreform präsentiert. Wir haben die Bildungsreform analysiert und haben in den vergangenen Tagen verschiedene Aspekte beleuchtet.
Gestern behandelte Max Schwarzenbacher die Fragen ob der Kompromiss zu der Gesamtschule und den Deutschkursen zufriedenstellend ist. Heute wird das Thema Schulautonomie, sowie der Begriff Bildungsrevolution behandelt.
Eines der Themen, die bereits im Sommer in Verbindung mit der Bildungsreform genannt wurden, war Schulautonomie. Immer wieder meldeten sich Interessensvertretungen und Organisationen zu Wort, um ihre Standpunkte zum Thema zu erläutern.Wie erwartet gibt es im aktuellen Plan zur Bildungsreform viele Punkte zu eben dieser genannten Autonomie.
Schulversuche gehören zum Großteil der Vergangenheit an. Egal ob es sich dabei um das Unterrichtsfach Ethik oder alternative Leistungsbeurteilungen in der Volksschule handelt. Somit müssen nicht länger Schulversuche zuerst in der Schule beschlossen und dann beim Landesschulrat um Genehmigung angesucht werden. Doch selbst hier ist die Veränderung nicht vollständig geplant. Eltern können, wenn sie wollen, die Ziffernnoten ihrer Kinder beantragen. Warum Ziffernnoten kein Beurteilungssystems des 21. Jahrhunderts sind, könnt ihr hier nachlesen.
Wir stehen als AKS der Schulautonomie kritisch gegenüber. Denn so wie Schulautonomie in der breiten Öffentlichkeit verstanden wird, werden Schüler_innen nicht mehr miteinbezogen, obwohl sie eindeutig von schulbezogenen Veränderungen betroffen sind. (Unseren Standpunkt zu Schulautonomie kannst du hier nachlesen.)
In dem Papier zur Bildungsreform werden nirgends explizit die Schüler_innen als Entscheidungsträger_innen genannt. Somit wird die Schule durch die Bildungsreform zu keiner demokratischen Schule.
Ein weiterer Punkt, der im Autonomiepaket angeführt wird, ist die Gestaltung von Lerngruppen. Somit können ab jetzt Lerngruppen in verschiedenen Größen gebildet werden, um unterschiedliche Lerninhalte zu behandeln. Das ist wiederum ein Punkt, der zuerst positiv erscheint. Bei genauerer Betrachtung jedoch stellt man fest, dass hier keine Obergrenze festgelegt ist. Das heißt, dass eine Lerngruppe aus 5 Personen, aber auch aus 40 Personen bestehen könnte. Dabei ist klar, je kleiner eine Gruppe ist, desto mehr können die Lehrer_innen auf die Schüler_innen eingehen und desto mehr lernt man als Schüler_in.
Die Bildungsreform ist definitiv keine Reform, die den Schulalltag für Schüler_innen angstfreier, demokratischer oder sozial gerechter macht. Sie ist auch keine Reform, über die man sich freuen kann. Die Politik hätte mit dieser Reform viele Baustellen im österreichischen Schulsystem anpacken können, hat die Chance jedoch vertan.
Vor der Präsentation der Bildungsreform haben wir eine Petition für mehr Mitbestimmung in der Schule gestartet. Rund 1.500 Personen haben sich in Form von Unterschriften für mehr Mitbestimmung in der Schule ausgesprochen. Dennoch gibt es keine Maßnahmen dafür in der Bildungsreform. Die Betroffenen der Reform, die Schülerinnen und Schüler, konnten nicht mitreden. Doch nicht nur das – in vielen anderen Bereichen der Schule können die Betroffenen auch nicht mitreden. Daraus ergibt sich, dass wir nach wie vor für mehr Mitbestimmung kämpfen müssen.
Auch mit dem Gesamtschul-Kompromiss dürfen wir uns nicht zufrieden geben! Denn in einem differenzierten Schulsystem ist es nicht möglich alle Schüler_innen gleichberechtigt zu fördern und auf die Stärken aller einzugehen. Ein differenziertes Schulsystem fördert bloß die soziale Selektion.
Im österreichischen Schulsystem kann kein Stein auf dem Anderen liegen bleiben! Eine kleine Bildungsreform kann nicht die Probleme in der Schule lösen. Es reicht nicht, wenn alle paar Jahrzehnte ein paar Kompromisse zwischen den Regierungsparteien geschlossen werden. Es müssen endlich die Betroffenen befragt werden, welche Probleme es in der Schule gibt und danach müssen gemeinsam Lösungen gefunden werden.
Bei jedem schulpolitischen Problem muss sich die Politik die Fragen stellen: „Wie können wir die Situation für Schüler_innen verbessern? Wie kann man es schaffen, dass sich alle wohlfühlen und gerne in die Schule gehen?“ Es kann nicht sein, dass im Mittelpunkt der Schulpolitik Begriffe wie Kompetenzen und Bildungsziele stehen. Viel mehr muss die Lernfreude der Schüler_innen gefördert werden. Das Ziel muss sein, dass alle Schüler_innen traurig sind, wenn die Ferien beginnen. Sobald das passiert, hat es eine Bildungsrevolution gegeben.
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