Soziale Selektion ist ein Begriff, den man immer wieder hört oder liest. Was steckt dahinter? Wie wirkt sich soziale Selektion aus? Und kann man das gutheißen?
Das österreichische Schulsystem sieht vor, dass man sich nach der Volksschule zwischen Neuer Mittelschule und Gymnasium entscheiden[1] muss. Meistens wird diese Entscheidung aber nicht von den Schüler_innen getroffen, sondern von den Eltern und/oder Lehrer_innen. Mit dem Argument, das Kind sei noch zu jung, das zu entscheiden, nehmen sie sich das Recht heraus, über die Zukunft ihres Kindes zu entscheiden.
Es klingt übertrieben und entspricht dennoch der Wahrheit. Statistiken zeigen immer wieder auf, dass Kinder von Akademiker_innenfamilien viel mehr in das Gymnasium gehen, als Kinder von Arbeiter_innenfamilien. In Folge dessen ist es wahrscheinlicher, dass Kinder aus Akademiker_innenfamilien die Matura machen, als Kinder aus Arbeiter_innenfamilien.
Das bedeutet, dass es zu einem Großteil darauf ankommt, was die Eltern machen – und nicht, wie man annimmt, dass die Interessen und Stärken der Schüler_innen zählen.
Natürlich gibt es immer mehr Bildungsauftsteiger_innen, also Kinder aus Arbeiter_innenfamilien, die die Matura machen. Dennoch kann man eine starke Elitenbildung erkennen – z.B. wenn Kinder aus Akademiker_innen private Gymnasien, während Kinder aus Arbeiter_innenfamilien Öffentliche besuchen.
Dass das nicht fair ist, liegt auf der Hand. Warum sollte auch der Lebensweg der Eltern sich so stark auf den Bildungsweg der Kinder auswirken?
Würde man die Entscheidung der Schulwahl um ein paar Jahre nach hinten verschieben, könnten sich die Schüler_innen viel mehr in die Entscheidung einbringen und selbst bestimmen, was sie machen möchten. Durch die Einführung einer Gesamtschule müssen sich Schüler_innen erst vier Jahre später entscheiden, was sie machen wollen – und könnten dabei schon viel bewusster ihre Zukunft planen. Durch die Gesamtschule kann erreicht werden, dass alle Schüler_innen die gleichen Chancen auf die Matura haben, egal welchen Bildungsstand ihre Eltern haben.
Nein. Bei der Gesamtschule geht es nicht darum, allen Schüler_innen aufzuzwingen die Matura zu machen. Es geht nur darum, dass alle Schüler_innen die Möglichkeit haben selbstbestimmt zu entscheiden was sie machen wollen – egal, ob das eine Lehre ist oder ein Abschluss. Es sollen alle die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben.
Seit kurzem gibt es eine Homepage, die aufzeigt, dass das österreichische Schulsystem sozial selektiv ist. Es wird mit Beispielen gearbeitet und gleichzeitig kann man sich durch verschiedene Lösungswege durchklicken. Vorbei schauen unter www.gerechtebildung.jetzt lohnt sich auf jeden Fall.
[1] Seit diesem Jahr gibt es keine 1. Klassen in der Hauptschule mehr. In einem langjährigen Reformprozess wurde die Hauptschule abgeschafft und die Neue Mittelschule eingeführt. Im Moment gibt es noch die letzten Hauptschul-Klassen, doch das Konzept dieser Schulform gehört bald der Vergangenheit an.
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