Ein wichtiges Unterrichtsmittel in der Schule sind Schulbücher, sie sind das objektive Unterrichtsmaterial schlechthin. Ihre Funktion ist es, uns Schüler_innen fachspezifisches Wissen zu vermitteln. Doch Schulbücher haben auch eine unbewusste Funktion – sie schaffen ständig unbewusste (Rollen-)Bilder und stärken diese.
In unserer Gesellschaft wird uns beigebracht wie wir „zu sein haben“ und was „richtig“ und „falsch“ ist. Das sind unterbewusste Prozesse, die sich auf unsere Identitätsentwicklung und unsere Wünsche oder Lebensziele auswirken. Diese Vorgänge können verschieden ablaufen – unser Umfeld sagt uns, was „höflich“ ist und was nicht, unsere Freund_innen zeigen uns neue Wege die Welt zu entdecken und in Medien werden uns verschiedenste Bilder vermittelt. Uns wird immer gesagt, dass das Verhaltensregeln sind, an die man sich halten müsse.
Dadurch, dass wir immer wieder gesagt bekommen, wie wir uns zu verhalten haben und was wir machen müssen, verinnerlichen wir diese (Rollen-)Bilder und geben sie unbewusst auch an andere Menschen weiter. Dabei ist aber nicht nur wichtig, was uns gezeigt wird, sondern auch das, was uns nicht gezeigt wird. Denn wenn wir von etwas nicht wissen, dann können wir danach auch nicht streben. Wenn wir z.B. nicht wüssten, dass man ins All fliegen kann um dort zu forschen, würden vermutlich viel weniger Menschen eine Ausbildung als Astronaut_in machen.
Diese (Rollen-)Bilder werden uns auch in Schulbüchern vermittelt. Das fängt in Mathematik-Büchern an, in denen mehr Frauen als Männer in Rechenbeispiele vorkommen und endet bei Englisch-Büchern, in denen Frauen viel öfter telefonierend auf Bildern zu sehen sind – während Männern viel öfter Sport betreiben.
Wenn wir immer wieder nur Bilder sehen, auf denen Männer* Sport betreiben, aber kaum welche auf denen Frauen* einen Sport ausüben, dann entwickelt sich in uns mit der Zeit, das Bild, dass Männer* sportlicher sind als Frauen*. Das hier ist also ein Fall davon, dass man etwas nicht zeigt würde man ausgeglichen Frauen* und Männer* abbilden, wenn sie Sport betreiben, würden sich die (Rollen-)Bilder anders entwickeln.Sieht man sich alle Schulbücher genauer an und konzentriert sich besonders auf die Frage, wie Frauen und Männer dargestellt sind, bemerkt man schnell ein paar wichtige Punkte.
Frauen und Männer werden hauptsächlich in Rollen beschrieben oder gezeigt, die ihrem Rollenbild entsprechen. In naturwissenschaftlichen Büchern wird hauptsächlich von Naturwissenschaftlern und deren Erkenntnisse geschrieben – Frauen hingegen werden kaum behandelt. In Geschichtebüchern wird viel mehr über Männer, als über Frauen berichtet.
Damit wird uns vermittelt, dass es in den Naturwissenschaften keine Wissenschaftlerinnen gegeben hat und dass in der Geschichte immer die Männer für Entwicklungen verantwortlich waren. Somit sind wir bei einem weiteren Punkt: es ist nicht nur wichtig, was auf den Bildern in den Büchern zu sehen ist, sondern auch – und vor allem! – was in den Texten steht.
Besonders in Geschichtebüchern werden Stereotype vermittelt, die wir hinterfragen müssen! Denn im Geschichteunterricht lernen wir hauptsächlich von Männern, die Kriege gewonnen haben und über einen bestimmten Teil der Erde die Herrschaft innehatten. Die wenigen Herrscherinnen, über die in Schulbüchern geschrieben wird, werden allerdings anders beschrieben als die Herrscher. Bei den Frauen steht meistens dabei, wie viele Kinder sie hatten, während das bei Männern nicht erwähnt wird. Bei Maria Theresia lernt man, dass sie über 10 Kinder hatte (16, oder?), und bei Napoleon XIV ist das scheinbar egal (er hatte insgesamt 11). Auch die Darstellung von Frauen und Männern auf Bilder ist unterschiedlich – während Frauen in einem Geschichtebuch der 11. und 12. Schulstufe in AHSen zum Großteil mit Kindern abgebildet werden, werden Männer bei Kämpfen oder in Diskussionen gezeigt.
Doch das spiegelt keinesfalls die Realität wider! Frauen sind ein genau so wichtiger Bestandteil der Geschichte und als dieser müssen sie gesehen werden. Es kann nicht reichen ein Kapitel zum Thema „Frauen in der Geschichte“ in jedes Geschichtebuch zu schreiben und sich damit zufrieden zu geben. Frauen* müssen im Regelunterricht vorkommen – uns muss in der Schule vermittelt werden, dass Frauen, sowie Männer Teil der Geschichte waren und sind. Es kann nicht reichen, sich zwei Unterrichtsstunden dem Kapitel „Frauen in der Geschichte“ zu widmen.
Frauen haben viel mehr geleistet und erreicht, als dass sie so im Unterricht behandelt werden.
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