10. Dezember 2015
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Sexismus im Lehrplan

Gesellschaftliche Prozesse machen vor den Schultüren keinen Halt. Das bedeutet, dass man sich in der Schule ähnlich verhaltet, wie außerhalb. Man hat ähnliche Freund_innen, findet die gleichen Witze lustig und auch die eigenen Interessen ändern sich nicht, wenn man das Schulgebäude betritt.

Sexismus in der Schule

Probleme, die in der Gesellschaft auftreten, sind auch in der Schule zu finden. Das beginnt bei Personen, die man nicht leiden kann, bis hin zu verschiedenen strukturellen Diskriminierungsformen – wie zum Beispiel Sexismus. Immer wieder gibt es in der Schule Grenzüberschreitungen – von Schülern auf Schülerinnen*, von Lehrern auf Schülerinnen*, von dem System Schule auf Schülerinnen*.

Im vergangenen Jahr wurden immer wieder Kleidungsvorschriften in der Schule diskutiert. Dabei ging es aber nicht um Kleidungsvorschriften für Schüler oder Lehrer, sondern um Verbote für Schülerinnen*. In manchen Schulen dürfte man keine Röcke anziehen, die über den Knien enden, in anderen durfte man keine schulterfreien Shirts tragen. Das Argument war dabei immer der gleiche – die Schülerinnen* würden mit diesen Kleidungsstücken die Schüler und Lehrer ablenken. Das heißt: Schülerinnen* werden dafür bestraft, dass ihre Körper von Schülern und Lehrern objektifiziert werden.
Man will Schülerinnen* vorschreiben was sie zu tragen haben, damit sie „den Unterricht nicht stören“. Dabei wird allerdings vergessen, dass Schülerinnen* hier nicht das Problem sind. Das Problem ist wie Frauen* in der Öffentlichkeit bzw. in Medien dargestellt werden und es schließlich dazu kommt, dass Frauen* als Sexobjekte gesehen werden. Selbst in der Schule. Von Mitschülern. Von Lehrern. (Wie Medien über Frauen* berichten und sie als Objekte einsetzen könnt ihr übrigens hier nachlesen.)

Es gibt aber nicht nur diese Verordnungen, die Gewalt des Systems Schule an Schülerinnen* ist. Alltägliche Aussagen wie beispielsweise „Kann mir jemand tragen helfen? 2 starke Burschen vielleicht?“, oder die aktive Suche nach Schülern die sich technischen Wissen aneignen sollen, zeigt das Sexismus in den Köpfen der Lehrpersonen immer noch stark verankert ist.

Die Schule ändern!

In der Schule muss das Thema Sexismus (genau so wie alle anderen Diskriminierungsformen) behandelt werden. Damit einhergehend muss es auch möglich sein, das eigene Verhalten zu reflektieren und sich persönlich weiterzuentwickeln. Das Besprochene im Unterricht muss auch gelebt werden. Wenn man also im Unterricht über sexualisierte Gewalt an Frauen* und welche Folgen für die Täter das haben muss spricht, müssen diese Maßnahmen auch in der Realität umgesetzt werden. Wenn es an einer Schule sexualisierte Gewalt gibt, muss die Folge sein, dass der Lehrer mit Konsequenzen rechnen muss.

Sexismus wird in der Schule gefestigt

Für alle Unterrichtsfächer gibt es Lehrpläne und Unterrichtsprinzipien. In denen wird geregelt welche Themen in der Schule besprochen werden müssen und welche Kompetenzen Schüler_innen am Ende des Schuljahres haben müssen um in die nächste Schulstufe aufsteigen zu können. Diese Lehrpläne und Unterrichtsprinzipien sind der offizielle Teil der Wissensvermittlung in der Schule. Den inoffiziellen Teil nennt man „versteckten Lehrplan“ – dabei geht es vor allem um Verhalten, das man bei Lehrer_innen sieht und danach (unbewusst) kopiert oder in den eigenen Handlungen einbaut.
Das gilt nicht nur für alltägliche Handlungen, sondern auch für Reaktionen auf bestimmte Situationen. Wenn in der Schule viele sexistische Lehrer unterrichten, sie aber nie mit Konsequenzen für ihr Verhalten konfrontiert werden, vermittelt die Schule, dass es in Ordnung ist, wenn man sich sexistisch verhält.

Um Sexismus bekämpfen zu können, muss man auf vielen Ebenen handeln. Es muss gesetzliche Regelungen geben und es muss ein allgemeines Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Doch das alleine kann nicht reichen – es muss sich auch die Schule verändern. Denn die Schüler_innen bilden die Gesellschaft von morgen. Wenn man täglich Sexismus in der Schule mitbekommt und nichts dagegen unternommen wird, nimmt man das als „normal“ wahr.

 
Heute ist der 10. Dezember – der Internationale Tag der Menschenrechte. Gleichzeitig enden die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen*. Wir haben in den vergangenen Tagen regelmäßig Artikel zu Gewalt gegen Frauen* gepostet, um aufzuzeigen, dass wir noch weit entfernt von einer gleichberechtigten Gesellschaft leben. Viele Formen der Gewalt nehmen wir als „normal“ wahr, doch wenn man genauer hinsieht merkt man, dass es noch in allen Lebensbereichen (unbewusste) Machtdemonstrationen von Männern auf Frauen* gibt.

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