Literatur – langweilig und anstrengend? Trotzdem ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Sie ist geprägt von Erzählungen und Ideen die sich seit langer Zeit sammeln und überliefert wurden. Kunst und Wissenschaft zugleich.
Doch was steckt dahinter? Was hat das ganze mit Schule und Gleichberechtigung zu tun?
Wir sind uns vermutlich alle einig, wenn wir sagen, dass Bücher ein sehr wichtiger Teil unseres Bildungssystems sind. In der Schule lesen wir Bücher über Bücher. Wir lernen in Deutsch, in Philosophie, oder gar in Geschichte und Kunst viel über die großen Autoren und Denker der europäischen Kultur. Wir analysieren ihre Texte, interpretieren ihre Gedichte und lernen ihre Biografien für den nächsten Test auswendig. Ob Goethe oder Schiller, Kant, Shakespeare oder Brecht… alle sind sie mit dabei.
Wir lernen, dass sie es sind, die diese Kultur, diese Werte und diese Gesellschaft geprägt haben. Denn sie sind es, die die Veränderungen und Entwicklungen dieser Gesellschaft in ihren Werken „konserviert“ hätten.
Doch weil es nicht sinnvoll ist, nur über gestern zu reden, sondern wir uns auch manchmal mit unserer gegenwärtigen Situation kritisch auseinandersetzen sollten, gibt’s selbstverständlich auch ab und zu Gegenwartsliteratur zu lesen. Meistens von berühmten Schriftstellern die jährlich irgendwelche Preise absahnen, deren Jury mehrheitlich von sogenannten „Old Boys Network“ besetzt ist: männlichen Direktoren und Geschäftsführern, die die Buchverlage leiten.
Das Problem daran?
Ist es in Wahrheit nicht so, dass die Literatur nur so von Frauen* blüht, die als großartige Autorinnen* tätig waren und sind? Ob Virginia Woolf, Christa Wolf, Jane Austen oder J.K. Rowling: herausragende Autorinnen* hat es schon immer gegeben. In der Literaturliste des Lehrplans der zur Zentralmatura führt, wird ihnen nur wenig Platz zugesprochen.
Frauen* in der Literatur werden in der Schule wohl nur unter dem Thema „Frauen* literatur“, welche Kategorisierung durchaus viele kritische Aspekte aufwirft, thematisiert.
Schreiben
Es ist bis heute ein Tabuthema, dass viele Autorinnen* ihr Bücher immer noch unter männlichen Pseudonymen veröffentlichen. Als ob diese Tatsache nicht schon schlimm genug wäre, wurden sie sogar aufgrund ihrer falschen männlichen Namen u.a. von Mitgliedern des deutschen Sprachvereins beschuldigt „den Markterfolg auszubeuten“. Bis heute wird Frauen* die in gewissen Genres (zb. Kriminalromane) schreiben geraten, sich als Männer auszugeben, um so eher vom Publikum angenommen zu werden. Das alles, gilt wohl nicht nur in der Literatur: „For most of history, Anonymous was a woman.“, eine nach langer Zeit ausgesprochene Tatsache von Virginia Woolf, die wohl selbst mit diesem Fakt zu kämpfen hatte.
Unsere Gesellschaft ist geprägt von den Strukturen eines Menschenbildes, in dem es einem ganzen Geschlecht untersagt wird, über sogenannte „ernste Themen“ zu reden. „Frauen*literatur“ wird von Wikipedia als schwammiger Begriff, der zum einen Literatur von Frauen* und zum anderen Literatur für Frauen* beschreibt, definiert. Alleine, dass dieser Begriff existiert, zeigt uns wie ungerecht und komisch die Funktion und das Ansehen in dieser Branche noch verteilt ist.
Lesen
Doch in Büchern geht es ja nicht nur darum, wer sie geschrieben hat. Es geht vor allem darum, wer in ihnen vorkommt und was passiert. Also um Hauptfiguren, um Held_innen* und Charaktere mit denen wir uns identifizieren und mitfühlen können. Auf den ersten Blick schaut es danach aus, als würde es diesbezüglich einen Schritt nach vorne gehen. Selbstbewusstsein, Stärke, Klugheit und Unabhängigkeit sind Eigenschaften mit denen wir bereits einige Protagonistinnen* verbinden können. Dass es bei Katniss Everdeen in „Die Tribute von Panem“, nach all den vorangegangenen Schwierigkeiten und Triumphen am Ende wieder nur eine heterosexuelle Liebesbeziehung in den Vordergrund tritt, fällt vermutlich den Wenigsten auf.
Die letzten Jahrhunderte gingen leider nicht spurlos an uns vorbei. Männer die Frauen* in ihren Werken beschrieben und definiert haben, werden bis heute in der Schule behandelt. Gretchen wird mit all ihren Eigenschaften in mindestens zwei Schularbeiten analysiert und interpretiert. Reflektiert und kritisiert leider nur sehr selten.
Lasst uns ein Gleichgewicht schaffen. Lasst uns, die Kritik die Autorinnen* an unserer Gesellschaft ausüben, genauso ernst nehmen. Wenn Bildung fair sein soll, unabhängig von Geschlecht, dann müssen auch die Inhalte die wir innerhalb dieser „Bildung“ vermittelt bekommen fair sein, und zwar unabhängig von Geschlecht.
Lasst uns unsere Bücherregale neu auffüllen!
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gutenberg.org