16. Mai 2017
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Die FPÖ und ihre Burschenschaften

Die Geschichte der FPÖ ist auch immer eine Geschichte deutschnationaler Burschenschaften – eine Zusammenfassung der Hintergründe und Entwicklungen.

Burschenschaften als rechte Gewalt

 

Burschenschaften sind konservative/rechte Männerbünde bzw. Studentenverbindungen, also Gruppen, die ausschließlich Männer aufnehmen. Lange Zeit vertraten sie den sogenannten „Arierparagraphen“, der jüdische oder nicht-christliche Mitgliedschaften untersagte. Trotz eines Verbotes wird er zum Teil immer noch praktiziert. Wenn von Burschenschaften gesprochen wird, muss zwischen verschiedenen Gruppierungen unterschieden werden.

 

Mensur

Die Mensur ist eine Art Fechten, die in „schlagenden“ Burschenschaften ausgeübt wird. Dabei geht es für die Verbindungsmitglieder darum, im Duell gegeneinander anzutreten und einander mit beinahe antiken Waffen und ohne ausreichenden Schutz ins Gesicht, den Oberkörper oder andere Körperteile zu schlagen/schneiden. Die Narben, die dabei gewollt hinterlassen werden, werden „Schmiss“ genannt. Damit diese das charakteristische Aussehen möglichst lange beibehalten, können Salz oder Pferdehaare in die offenen Wunden gelegt werden.

 

MKV

Der Mittelschülerkartellverband (MKV) ist der Dachverband für christlich-konservative Studentenverbindungen und bietet in vielen Fällen den Nachwuchs für die ÖVP. Diese sind nur zu einem geringen Teil schlagend, wenn, dann wird auf den Oberkörper gezielt. Zu ihren Prinzipien gehören die katholische Religion, der Staat Österreich als Heimatland und die Freundschaft zwischen den Studenten. Obwohl die Mitglieder dieser Verbindungen oft nur zusammen trinken, ist es doch problematisch, dass nur Männer zugelassen werden und sehr viele von ihnen so die politische Karriereleiter in der ÖVP hinaufklettern können.

 

Deutschnationale Burschenschaften

Verbindungen, die sich als deutschnational identifizieren, sehen das große deutsche Reich als Vaterland und erkennen Österreich nicht als Staat an. Sie bilden zu einem großen Teil den Nachwuchs der FPÖ. In diesen Burschenschaften wird die Mensur regelmäßig so praktiziert, dass einander ins Gesicht geschlagen wird. Den Mitgliedern geht es dabei darum, ihren „Mann zu stehen“ und einen möglichst sichtbaren Schmiss zu erhalten.
Viele Mitglieder werden auf Grund von Wiederbetätigung und Weitertragen von faschistischem Gedankengut in Verbindung mit rechtsextremen Neonazi-Gruppen gebracht. Darunter finden sich auch immer wieder bekannte Holocaust-Leugner, wie zum Beispiel Gottfried Küssel (bekannter Neo-Nazi), die aufgrund dessen schon zuvor verurteilt wurden. Weitere bekannte Mitglieder von deutschnationalen Burschenschaften sind unter anderem HC Strache (Klubobmann, FPÖ), Herbert Kickl (stv. Klubobmann FPÖ) und Harald Vilimsky (Generalsekretär, FPÖ). John Gudenus (FPÖ), der Vater von Johann Gudenus (Vizebürger_innenmeister Wien, FPÖ), war Abgeordneter zum Nationalrat und wurde als Holocaust-Leugner mehrfach rechtskräftig verurteilt.

 

Aber wo hat die FPÖ eigentlich ihre Wurzeln?

 

Stimmen diese ganzen Gerüchte über geheime Nazis innerhalb der FPÖ?

Um diese Frage beantworten zu können, gehen wir zurück in das Jahr 1945. Genau genommen den 8. Mai dieses Jahres, den Tag der Befreiung. An diesem Tag wurde das Verbotsgesetz beschlossen, das Gesetz, das die von Adolf Hitler gegründete Partei NSDAP sowie Widerbetätigung untersagte.

Schon im Jahr 1948 kam es zu einer Lockerung des Verbotsgesetzes was zum Teil mit einer intensiven Entnazifizierung begründet werden könnte. Die Reintegration ehemaliger NSDAP-Mitglieder begann.

Im Jahr 1948, im selben Jahr, in dem das Verbotsgesetz gelockert wurde, gründete sich der „VdU“, der „Verband der Unabhängigen“. Er diente als Auffangbecken für ehemalige NSDAP Mitglieder und SS-Männer. Es handelte sich hierbei um eine Partei die ausschließlich von Nationalsozialisten gegründet und vorangetrieben wurde.

1956 wurde der „Verband der Unabhängigen“ umbenannt. Der neue Name sollte „Freiheitliche Partei Österreichs“ lauten.

Der erste Parteiobmann der FPÖ hieß Anton Reinthaller. Dieser war SS-Brigadeführer und Mitglied der NSDAP-Landesleitung. Er starb 1958.

Sein Nachfolger war Friedrich Peter, dieser war bei der SS-Infanteriebrigade. Peter hatte die Vision, die FPÖ in die liberale Mitte zu führen und wollten das „Nazi-Image“ loswerden.

Der rechtsnationale Kern rutschte in eine von Norbert Burger neugegründete Partei, die NDP (Nationaldemokratische Partei). Norbert Burger selbst hat eine sehr interessante Vergangenheit. Er war beim Ring freiheitlicher Studenten, Mitglied der schon mehrfach wegen Wiederbetätigung verbotenen Burschenschaft Olympia, war maßgeblich am Südtirol-Terror im Zusammenhang mit der BAS und nach eigenen Angaben an Hinrichtungen beteiligt.

Der heutige Bundesparteiobmann der FPÖ, H.C. Strache war übrigens 12 Jahre mit Burgers Tochter verlobt und sah in Norbert Burger eine Art Vaterfigur. 1988 wurde die NDP auch schon wieder aufgelöst, da sie gegen das NS-Verbotsgesetz verstieß.

13. September 1986

Bundesparteitag der FPÖ in Innsbruck. Die FPÖ steht vor einer Entscheidung. Norbert Steger, der von 1980 bis 1986 Bundesparteiobmann war, kandidierte erneut für das Amt des Bundesparteiobmanns. Er gehörte, wie schon damals Friedrich Peter dem liberalen Flügel der FPÖ an. Auch er wollte das „Nazi-Image“, sowie die „Kellernazis“ der FPÖ loswerden und sprach bei seiner Rede genau darüber.

Auftritt Jörg Haider.

Jörg Haider war so gar nicht der Meinung des Gegen-Kandidaten und zeigte sich nicht mit seinem Vorschlag, gegen die „Kellernazis“ vorzugehen, einverstanden. Es kam zu einer Kampfabstimmung zwischen Steger und Haider. Haider gewann und wurde neuer Bundesparteiobmann der FPÖ.

 Der rechte Flügel gewann und prägte von nun an die politische Landschaft Österreichs. Nach einer weiteren Spaltung der Lager im Jahr 2005, gab der ehemalige Landeshauptmann Kärntens sein Amt unfreiwillig an seinen mal besseren, mal schlechteren Freund Heinz-Christian Strache weiter. So kam beispielsweise auch Martin Graf von der FPÖ in das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten. Ein Mann, der bei der bereits erwähnten extrem rechten Burschenschaft Olympia ist. Andere Beispiele für Burschenschafter in der FPÖ sind der ehemalige Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, der ebenfalls bei einer Burschenschaft Mitglied ist, die ein großes deutsches Reich anstrebt, Johann Gudenus oder H.C. Strache, die beide hohe Ämter innerhalb der Partei schmücken. Diese zwei Menschen sind beide Mitglied der Burschenschaft Vandalia. Bei diese Verbindung wird sich übrigens noch mit „Heil Vandalia!“ gegrüßt. Die Farbe der Kopfbedeckung ist natürlich einem geheimen Nazi-Symbol nachempfunden. Und der Vater einer dieser beiden Herren wurde wegen Verleumdung und Verharmlosung des Holocausts rechtskräftig verurteilt.

Abschließend seien hier noch zwei Zitate angeführt. Einerseits ein Spruch des 1986 gewählten Parteiobmanns: „Im dritten Reich hat’s wenigstens eine anständige Beschäftigungspolitik gegeben“

Und andererseits ein sehr neues Gedankenspiel des Burschenschafters den schon mal 48% der Österreicher_innen gewählt haben: „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich sein wird.“


Autor_innen

David Kopelent

Hannah Svoboda

FPOE-Chef Heinz-Christian Strache singt am Samstag, 11. Juni 2005 in der Wiener Hofburg bei einem Festkommers der Burschenschafter anlaesslich des 200. Todestages des Dichters Friedrich Schiller. Als Hoehepunkt ist ein Referat von Strache zum Thema "50 Jahre Freiheit Oesterreichs nach dem Zweiten Weltkrieg" angekuendigt. (AP Photo/Hans Punz) Foto: offensive gegen rechts
FPOE-Chef Heinz-Christian Strache singt am Samstag, 11. Juni 2005 in der Wiener Hofburg bei einem Festkommers der Burschenschafter anlaesslich des 200. Todestages des Dichters Friedrich Schiller. Als Hoehepunkt ist ein Referat von Strache zum Thema "50 Jahre Freiheit Oesterreichs nach dem Zweiten Weltkrieg" angekuendigt. (AP Photo/Hans Punz)

Infobox

How To Spot A Burschi

– weißer cis-Mann

– trägt einen „Deckel“ (Kopfbedeckung)

– trägt eine Schärpe (Band um den Oberkörper)

– beides im Couleur der Verbindung (spezielle Farb-Kombination)

– schaut aus wie ein Reiter aus dem 19. Jhdt. (auch die Werte von damals)

– evtl. Schmiss (Narbe) auf der Wange/Stirn