9. Dezember 2015
Geschrieben von

What do you call a woman* that has a lot of sex? Her name!

Kommentare zu Slutshaming

“Schau, was die anhat!”, “Voll die Bitch!”, solche Aussagen müssen sich viele Mädchen* bzw. Frauen* anhören. Oft werden sie nur nach dem äußeren Erscheinungsbild beurteilt und haben dadurch mit Vorurteilen zu kämpfen. Seien wir doch mal ehrlich, viele von uns haben schon mal eine der vorigen Meinungen vertreten. Doch dies ist falsch. Die Kleidungsweise eines Menschen sagt nämlich rein gar nichts über dessen Charakter aus. Eine Frau* sollte das anziehen dürfen, was sie möchte, denn wenn sie sich wohlfühlt, hat niemand das Recht, sich in ihre Angelegenheit einzumischen“

Elaaha Anwari ist 16 Jahre alt und geht in die 7. Klasse des GRG 10 Laaerberg und wohnt in Wien

 

Ich als Mädchen möchte mehrere Kumpels* haben, ohne, dass mich jemand eine „Schlampe“ oder „Hure“ nennt. Ich als Mädchen möchte kurze Röcke und kurze Hosen anziehen können, wenn es heiß ist, ohne, dass mich jemand so bezeichnet. Ich als Mädchen möchte Kniestrümpfe und Netzstrumpfhosen anziehen können, ohne, dass mich jemand so bezeichnet. Ich als Mädchen möchte T-Shirts anziehen können, egal welchen Schnitt sie haben, ohne, dass mich jemand so bezeichnet. Ich als Mädchen möchte mich Schminken und dunkelroten Lippenstift tragen, ohne, dass mich jemand so bezeichnet. Ich als Mädchen möchte mich in der Nähe von Buben* so verhalten, wie ich mich wohlfühle, ohne, dass mich jemand so bezeichnet.

Veronika Wrbka ist 15 Jahre alt und geht in die 6. Klasse des Klosterneuburg BG/BRG Gymnasium und wohnt in Klosterneuburg

 

„Ich bin nicht die Kleidung die ich trage. Ich bin nicht der Mann* oder die Frau* den oder die ich küsse. Ich bin nicht meine Handlungen und nicht meine Taten, und wenn ich mich durch etwas identifizieren möchte, dann darf ich das. Natürlich drücke ich mich teilweise durch meinen Kleidungsstil aus, das bedeutet dennoch nicht, dass ich darauf reduziert werden möchte.
Als selbstbewusste Frau möchte ich mich abheben, ich möchte mein Leben individuell gestalten und meine Handlungen nicht auf die anderer Personen abgleichen müssen. Mein Sexualleben ist meine Sache und die meines Partners/meiner Partnerin und weder möchte ich auf meine Vorlieben und Gewohnheiten noch auf meine Partner_innen oder die Anzahl derer reduziert werden.
Ich schäme mich nicht für das, was ich bin, was ich mache oder für was ich stehe und möchte nicht als das abgestempelt werden, was man auf den ersten Blick an mir sieht. Ich trage keinen tiefen Ausschnitt oder kurze Röcke, um anderen zu gefallen, ich schminke mich nicht, um anderen zu gefallen, ich handle nicht, wie ich handle, nur, dass meine Taten Gefallen bei anderen finden.
Nur weil ich eine Frau bin, habe ich nicht weniger das Recht dazu, mich zu äußern und zu handeln.
Ich hoffe, ich spreche hier nicht nur für mich.“

Hannah Leitsmüller ist 16 Jahre alt und geht in die 7. Klasse des Sperlgymnasium und wohnt in Wien

 

„So viele Typen sind für dein Alter aber schon ein bisschen viele, oder?“
„Hast du schon gehört, dass Anna schon wieder etwas mit jemand anderem hatte diese Woche?“
Mit solchen Sätzen haben Frauen* weltweit tagtäglich zu kämpfen. Die Lust und Freude am Küssen und am Sex, oder jegliche andere Art von Intimität mit anderen Personen, kommt meistens nur verbunden mit bösen Blicken von den Klassenkolleg_innen und Getuschel in der Reihe hinter einer* oder einem*. Jeden* und Jeder* scheint es auf einmal brennend zu interessieren mit wem und wo du letztens Wochenende die Nacht verbracht hast, ganz speziell jene Leute die normalerweise kein Wort mit dir wechseln.
Während sich die Jungs* in der Klasse begeistert gratulieren wenn einer mit einer neuen Sexgeschichte, über das letzte „geile“ Mädchen*, ankommt, sieht es bei den Freund_innen vom selbigen „geilen“ Mädchen* oft ganz anders aus. Sie wird zuerst einmal gefragt ob es ihr mit ihren Gefühlen wirklich ernsthaft sei, ob sie eh schon an einer Beziehung plant, und wenn sie diese Fragen verneint werden ihr, vor allem auf Social Media Seiten, möglichst anonym, Wörter wie „Schlampe“ oder „Dorfmatratze“ an den Kopf geworfen.
Und ich muss selber zugeben, dass ich früher auch des öfteren ein Mädchen* plötzlich aus einem anderen Blickwinkel betrachtet habe, nur weil ich mitbekommen hatte, dass sie mit vielen Menschen etwas hatte. Dabei wollte ich ihr nie etwas Böses, sondern habe mich einfach danach gerichtet wie mir gezeigt wurde von der Gesellschaft wie man mit der Sexualität von einer Frau* am Besten umgeht: nämlich entweder ignorant oder verurteilend.
Aber warum muss das so sein? Niemand außer mich selbst hat es zu beschäftigen mit wie vielen Menschen ich Sex habe. Nicht meine beste Freundin, nicht meine Klassenkolleg_innen und schon gar nicht irgendwelche Menschen online die nicht mehr von mir wissen als was sie aus den letzten Gerüchten ihrer Freund_innen gehört haben. Denn obwohl für viele schon das als Überraschung kommt, aber Frauen* empfinden genauso sehr Lust wie Männer* das tun. Frauen* masturbieren, können mit mehreren Personen in einer Woche Sex haben und es mindestens genauso genießen wie ihr Partner* (oder Partnerin*) und Frauen* haben vor allem das Recht darauf darüber mindestens genauso laut und begeistert darüber zu reden wie Männer*. Und das ganz ohne Schamgefühle zu haben oder sich Sorgen machen zu müssen, was sich eine andere Person denken könnte. Denn das Leben ist einfach viel lustiger, wenn jede*r Lust empfinden darf.“

Marie Fillipovits ist 15 Jahre alt und besucht die 6h des Borg 20 und wohnt in Klosterneuburg

 

links oben: Shirin El Azar, links unten: Antonia Niedermann, rechts: Jana Mandl Foto: privat
links oben: Shirin El Azar, links unten: Antonia Niedermann, rechts: Jana Mandl