30. September 2015
Geschrieben von

Schulautonomie macht nur in einem neuen System Sinn!

#BiPolMittwoch

Schüler_innen haben Interessen und Meinungen. Die aktuelle Autonomie-Diskussion muss mit ihnen geführt werden und nicht über sie.

Wem soll Schulautonomie vor allem helfen?

Wenn man von Schulautonomie spricht, darf man dabei nie vergessen, wem die Veränderungen, helfen sollen – vor allem den Schüler_innen. Für keine andere Personen im Lebensraum Schule ist es derart wichtig, wie das Schulsystem funktioniert, wie für Schüler_innen. Denn sie sind die Personen im Schulsystem, für die ihr Leben in der Schule die meisten Konsequenzen mit sich trägt. Werden sie in der Schule bestärkt und unterstützt, gehen sie als selbstbewusste junge Menschen nach der Matura in die Welt hinaus. Passiert dies nicht, ist es für sie schwerer in der Welt ordentlich Fuß zu fassen. Durch die Erfahrungen, die Schüler_innen in der Schule machen, haben sie gewisse „Startbedingungen“, wie soziale Kompetenzen oder Eigenständigkeit, die sie im restlichen Leben benötigen.

Die Kompetenzen müssen beim Ministerium für Bildung bleiben

Die grundsätzlichen Kompetenzen sollen weiterhin beim Bund liegen und nicht in die Länder verlagert werden. Dabei geht es nicht nur um einen bundesweiten Grundtenor, der das Ziel von Schule beschreibt, sondern auch um Punkte wie die Vertretungen.

Auch die Lehrer_innen sollen nicht autonom von den Schulen angefordert werden, sondern sie sollen weiterhin zu den einzelnen Schulen zugeteilt werden. Denn wenn die Schulen die Lehrer_innen autonom einstellen könnten, wäre die Gefahr der Elitenbildung sehr hoch. Was heißt das konkret? Nur Lehrer_innen mit einem bestimmten Weltbild, oder mit einer bestimmten pädagogischen Ideologie werden eingestellt und die restlichen Bewerber_innen werden ausgeschlossen. Durch Elitenbildung im Lehrpersonal kann die notwendige Diversität aller Personengruppen nicht gewährleistet werden und ist aus diesem Grund abzulehnen.

Schulautonomie kann nur in einem anderen Schulsystem funktionieren!

Im aktuellen System kann Schulautonomie – so wie sie am besten für die Schüler_innen wäre – nicht funktionieren. Denn Schulautonomie bedeutet, dass sich die Leher_innen um ihre Schüler_innen kümmern können, sie gezielt fördern können, auf sie eingehen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen, um schlussendlich als Begleiter_innen im Lernprozess agieren zu können. Das Lehrer_innen das nicht machen können, wenn sie Dutzende von Schüler_innen in den Klassen sitzen haben, ist verständlich. Dazu müssen die Klassenverbände kleiner werden.

Bei der Autonomie des Unterrichts sind Kontrollinstanzen unverzichtbar. Diese müssen überprüfen, ob die Lehrer_innen ihre Macht ausnützen, dh die Kontrollinstanzen versichern somit, dass Lehrer_innen den Unterricht so gestalten, dass sich alle Schüler_innen wohl fühlen und gerne lernen.

Demokratie, Mitbestimmung und Schulautonomie

Wenn über Schulautonomie geredet wird, darf nicht vergessen werden, wer die Reglungen im Endeffekt in der Schule bestimmt. So muss unter anderem der Klassenrat eingeführt werden.

Entscheidungen, die einzelne Klassenverbände betreffen, müssen in den Klassen direkt besprochen und beschlossen werden. Jeder Klassenverband braucht deswegen einen Klassenrat, in dem nicht nur der Unterricht besprochen wird, sondern auch Platz für die Besprechung von möglichen Problemen ist. Bei den Sitzungen des Klassenrates ist auch die_der Lehrer_in anwesend. Durch die regelmäßigen Sitzungen des Klassenrates lernen die Schüler_innen nicht nur mit Problemen umzugehen und sich selbst und ihr Verhalten zu reflektieren, sondern können aktiv über ihr (Schul-)Leben mitbestimmen und lernen, wie Demokratie funktioniert – all das sind Fähigkeiten, die Schüler_innen für ihr Leben schon in der Schule erlernen sollten.

Schulautonomie beginnt da, wo man sich überlegt, wie man das Schulleben für Schüler_innen verbessern kann und endet dort, wo beschlossen wird, dass man jede Schülerin und jeden Schüler ernst nimmt und ihnen mehr Mitbestimmung ermöglicht. Es muss bedacht werden, dass Schüler_innen zu den Themen, die sie betreffen, auch einen Standpunkt haben und diese Meinungen müssen auch ernst genommen werden. Nur so können alle Schüler_innen als starke, selbstständige und selbstbewusste Subjekte von der Schule weiter in das weitere Leben gehen. Und genau das zählt am Ende des Tages – wie die Schüler_innen die Schule verlassen. Nicht die Lehrer_innen, nicht die Verwaltung, nicht die Direktionen.

In jeder Diskussion, die über die Schule gefühlt wird, muss man aufhören über die 1,1 Millionen Schüler_innen zu reden, sondern man muss beginnen MIT ihnen zu reden und gemeinsam Konzepte und Strategien für eine sozial gerechte, angstfreie und demokratische Schule auszuarbeiten

Verschoben werden müssen auch die Machtverhältnisse in der Schule Foto: lizenzfrei
Verschoben werden müssen auch die Machtverhältnisse in der Schule