Eine Floskel findet sehr viel Platz im Sprachgebrauch der Österreicher_innen. Doch was und wer versteckt sich hinter jenen Aussagen, die mit dem Satzanfang „Ich bin ja kein_e Rassist_in, aber..“ beginnen? Tatsächlich Aussagen ohne rassistischen Kern und Menschen, die von Rassismus nichts halten?
Rassistisch sind Ideologien, welche die Menschheit in eine Anzahl von biologischen Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften einteilen und die so verstandenen «Rassen» hierarchisch einstufen.
Das Rezept für den ultimativen Rassismus ist ein altbekanntes. Man schafft zwei Gruppen, die sich höchstens in ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft unterscheiden. Die einen suchen sich jetzt ein Merkmal an den anderen und stellen darauf gegründet Behauptungen auf. „Er ist Araber, also sicher sexistisch.“ Die Behauptung wird verbreitet und immer mehr Menschen fangen an, diese Behauptung für Wahr zu nehmen. Es entsteht ein Gruppengefühl und es wird ganz klar zwischen „wir“ und „die“ unterschieden. Bekommt die eine Gruppe jetzt auch noch das Gefühl, dass sie viel Macht hat, bedarf es einfach nur noch einer Prise Drama. Jede Behauptung wird jetzt noch mehr zugespitzt und es werden tragische Beispiele auf natürlich äußerst seriösen Websites gefunden, die jede Aussage stützen sollen. Und schon ist er fertig: der „Rassismus á la carte“, gegründet auf Lügen, Vorurteilen und Stereotypen.
„Sie kommt aus dem Iran, sie hat sicher keine gute Schulausbildung.“ „Er kommt aus Ägypten, er kann sicher nicht gut deutsch.“ „Sie trägt ein Kopftuch, sie wird sicher von ihrem Vater gezwungen.“ Warum kann ich nicht gebildet sein wenn ich aus dem Iran komme? Warum soll ich nicht gut Deutsch können nur, weil ich aus Ägypten kommen? Warum soll ich unterdrückt werden, weil ich ein Kopftuch trage? Schlichtweg weil es jemand behauptet hat, der_die das selber ja ganz sicher weiß. Es ist leichter mit vermeintlich Neuem umzugehen, wenn jemand erklärt was auf eine_n zu kommt und man auf die Situation vorbereitet ist. Also weiß, dass man mit dem Ägypter* besonders deutlich sprechen muss. Der Frau* aus dem Iran alles leicht verständlich erklärt, damit auch sie es versteht und das Kopftuch des Mädchens* abfällig betrachten muss. Dass der Ägypter* als Erstsprache Deutsch spricht, dass die Frau* eigentlich bereits Medizin studiert hat und das Mädchen das Kopftuch freiwillig trägt, das kann einfach nicht sein. Das entspricht einfach nicht dem Bild, in das alle drei gesteckt werden. Sie passen einfach nicht in das Stereotyp, das mittlerweile für viele Österreicher_innen ganz selbstverständlich geworden und tief im Denken verankert ist. Auch deswegen ist für viele das Denken, dass jemand einfach nicht gut deutsch kann, nicht gebildet ist und zu Hause unterdrückt wird und das aufgrund des Migrationshintergrundes, kein Rassismus. „Rassistisch sind Ideologien, welche die Menschheit in eine Anzahl von biologischen Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften einteilen (..).“ Doch. Dieses Denken ist rassistisch und ja man ist Rassist_in wenn man meint, dass der Migrationshintergrund Menschen und ihre Persönlichkeit beeinflusst. Aber das würde so niemals jemand sagen. So weit ist unsere heutige Gesellschaft schon um zu wissen, dass offen zuzugeben rassistisch zu sein, nicht geht. Stattdessen verpackt man seinen Rassismus lieber hinter vielen „WENN“s und „ABERs“. Ein WENN und ABER bietet die perfekte Legitimation, doch was Rassistisches zu sagen. „Ich bin ja kein_e Rassist_in, aber,…“ Wie oft kam nach dieser Phrase schon mal etwas, das nicht rassistisch war?
„Die Flüchtlinge gefährden unseren Lebensstandard und unsere Sicherheit.“ Diesen Satz so in einem Interview zu sagen, wäre ein Skandal. Es braucht nur einen anderen Beginn und schon wird der Satz für viele komplett legitim. „Ich bin ja kein_e Rassist_in, aber die Flüchtlinge gefährden unseren Lebensstandard und unsere Sicherheit.“ Beide Sätze haben den gleichen Inhalt und haben viele von uns sicher schon oft gehört. Studien belegen, dass die Kriminalität unter Asylwerber_innen genauso hoch wie die Kriminalität unter Österreicher_innen ist. Wer also Angst vor Flüchtenden hat sollte genau so viel Angst vor Österreicher_innen haben. Gut nur, dass die Person zuvor noch gesagt hat, dass sie_er kein_e Rassist_in ist und nur so einer Gruppe von Menschen gewisse Attribute zugeschrieben hat. Nochmal: „Rassistisch sind Ideologien, welche die Menschheit in eine Anzahl von biologischen Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften einteilen (..).“
Menschen bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben aufgrund ihrer Herkunft entspricht eins zu eins der Definition von Rassismus. Menschen versuchen in Schubladen und Stereotypen zu stecken, aufgrund ihres Migrationshintergrundes ist rassistisch. Egal wie es verpackt wird. Egal ob in einem Witz, einer Werbung oder hinter der Phrase: Ich bin ja kein_e Rassist_in, aber…
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Natalie Nourigat