Frauen* wurden schon immer in der Geschichte als „schöne Objekte der Begierde“ angesehen und auf allen möglichen Ebenen benachteiligt, ungeachtet ihrer Bedürfnisse und Wünsche. Ob Kleider bequem oder praktisch waren spielte keine Rolle: Hauptsache, der Körper war gut in Szene gesetzt.
Die Mode für Frauen* der Jahrhundertwende war alles andere als angenehm zu tragen: Bodenlange Röcke und Kleider, enge Korsetts, die die Taille zu- und die Brust hochschnürten, Kleidung, die die Hinterteile stark betonte. Von Bewegungsfreiheit keine Rede. Doch spätestens mit dem Zweiten Weltkrieg, als Frauen* langsam wieder anfingen Teil der Arbeitswelt zu werden, war es klar, dass diese Art von Kleidung für sie nicht mehr in Frage kam. Um ihren Berufen, die auch körperliche Arbeit beinhalteten, nachgehen zu können, brauchten sie auch praktischere Kleidung, in der sie sich problemlos bewegen konnten.
Das meinte auch Coco Chanel, Modeikone und Visionärin, die die Emanzipation der Frauen* durch ihre damals ungewöhnlichen Modeschöpfungen erheblich vorantrieb. Sie wollte das veraltete Frauen*bild ihrer Zeit verändern und hat dies auch geschafft.
Die Mode, die sie machte, kann mensch nur als revolutionär bezeichnen. Sie ließ in ihrer Kollektion erstmals das Korsett samt Fischbein weg, welches einzig und allein dem Zweck diente, Frauen*körper unnatürlich zu betonen und den vorrangigen Zweck hatte, auf Männer attraktiv zu wirken. Ob Frauen* damit ihre körperliche Gesundheit beeinträchtigten, war zu dieser Zeit eher zweitrangig. Außerdem entwarf Coco Chanel weite, knielange Röcke (in einer Zeit, in der selbst die Knöchel verhüllt bleiben mussten) da bodenlange Röcke und Kleider, wie sie sonst getragen wurden, einerseits ein Sicherheitsrisiko für Frauen* bei der Arbeit darstellten und andererseits ihre Bewegungsfreiheit enorm einschränkten. Coco versuchte, ihre politischen Überzeugungen auch mit ihrem eigenen Aussehen widerzuspiegeln, indem sie sich die Haare zu einer Kurzhaarfrisur schnitt und somit dem damaligen Schönheitsideal der Frau* mit langen Haaren widersprach. Bezeichnend für ihre Mode und ihre emanzipatorischen Errungenschaften war, dass sie es mit ihren Designs als erste wagte, die rein männlich dominierte Fashionwelt aufzubrechen. Nämlich verwendete sie für viele ihrer Kleider den Stoff Jersey, der bis dahin nur für männliche Unterkleidung verwendet wurde. Aus dem Grund, dass dieser Stoff durch seine fließende Beschaffenheit optimale Bewegungsfreiheit garantiert und sich an die Körperform des_der Träger_in anpasst.
Der Geschäftsfrau Chanel war (finanzielle) Unabhängigkeit, vor allem von Männern*, besonders wichtig. Das spiegelt sich auf der einen Seite sehr stark in ihrem persönlichen Lebensstil wider, aber auch in ihren Kreationen und den Absichten, die dahinter stehen. Wofür sie vor allem gefeiert wird und heute noch berühmt ist, sind die alltagstauglichen Hosen, die sie für Frauen* entworfen hat. Hinter dieser Kreation steckt ebenso der Gedanke der (finanziellen) Unabhängigkeit der arbeitenden Frau* während und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Sie selbst sagte über ihre Modeschöpfungen, dass sie Frauen* damit befreien und ihnen die Möglichkeit geben wollte, sich gleichzeitig bequem und stilvoll anzuziehen.
„Mode ist nichts, was nur in Kleidung existiert. Mode ist in der Luft, auf der Straße, Mode hat etwas mit Ideen zu tun, mit der Art wie wir leben, mit dem was passiert.“ – Coco Chanel
Selbst heute, 45 Jahre nach ihrem Tod, zählt sie noch immer zu den großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.
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