1. Dezember 2015
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Ja, ich bin ein Mädchen*

„Hit like a Girl“ oder „wein' doch nicht wie ein Mädchen“. Noch immer werden die Worte „Frau“ und „Mädchen“ oft in einem negativem Kontext verwendet. Frauen* werden (nicht nur) sprachlich auf Stereotype reduziert und als das schwache Geschlecht wahrgenommen. Ein Kommentar.

Als Kind wollte ich immer wie meine Brüder sein. Ich wollte mit ihnen Räuber und Gendarm spielen dürfen und Ritterburgen bauen. Mit Spaceshuttles wie Astronaut_innen durch unseren Garten fliegen und auch in der Fussballmannschaft dabei sein.
Ganz am Anfang war es immer egal, dass ich ein Mädchen bin. Doch als immer mehr Kinder in unsere Straße zogen (die Mehrheit davon waren Jungen) bekam ich es immer deutlicher zu spüren – ich bin kein Junge, ich darf keine Räuberin sein und in ihrer Mannschaft hatte ich auch nichts verloren. Sie erklärten mir „in einer Mannschaft spielen nur Männer und Astronautinnen gabs sowieso noch nie!“
Ich war damals 10 Jahre alt und nahm ihre Aussagen einfach so hin, akzeptierte diesen Unterschied. Also spielte ich alleine mit meinen rosa Puppen im Garten und träumte davon eines Morgens aufzuwachen und wie meine Brüder zu sein.

Als ich älter war, begann ich mir die Frage zu stellen, warum das so war. Warum ich mich nicht traute, als einziges Mädchen*, trotzdem mitzupsielen. Meine Eltern standen doch immer hinter mir und unterstützten mich. Doch wenn ich beim Fussballspielen Kommentare wie „Jetzt hör endlich auf – du schießt ja wirklich wie ein Mädchen!“ zu hören bekam war ich doch immer selbst diejenige, die nicht mehr dabei sein wollte.

Wir müssen uns ständig dafür rechtfertigen, Frauen* zu sein. Ich muss mich selbst darum kümmern, wenn ich möchte, dass mich Menschen auch ansprechen oder erwähnen wenn sie mit mir sprechen oder etwas von mir wollen. Lehrpersonen bezeichneten mich abwertend als „anstrengend“ und „Kampfemanze“ einfach nur, weil ich darum bat in einer Klasse mit 20 Mädchen* und sechs Buben* als Schülerin angesprochen zu werden.
Ich kenne keine Ebene auf der mir der „diskriminierende Gehalt dieser Sprache der nicht an angeblichen Formen feststellbar ist.“ wie ihn Daniela Gollnow schon 1983 in der TAZ beschrieb, erspart bleibt. Weder in der Schule, noch im Studium oder Privatleben.

Für mich ist es heute absurd, dass Kinder in einer Welt aufwachsen müssen, in der eine Sprache die im Umgang nur Wörter wie „Feuerwehrmann, Superheld, Krankenschwester und Kindergärtnerin“ kennt, ihre Vorbilder definiert.
Es gibt nichts Schlechtes daran, ein Mädchen zu sein. Dass ein Wort, das die Hälfte aller Kinder anspricht als Synonym für etwas Schwaches oder gar Peinliches und Schlechtes verwendet wird, verdeutlicht nur noch mehr, wie rückständig unsere Sprache auch im 21. Jahrhundert noch immer ist – und wenn die Hilferufe von uns Frauen* und Männern* die dieses Problem erkennen weiterhin belächelt werden – auch noch länger bleiben wird.

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