25. November 2015
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Über drei mutige Schwestern und Gewalt an Frauen*

Alljährlich findet am 25. November der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen*“ statt. Begründet wurde dieser Tag 1981 auf dem ersten Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen in Gedenken an die Mirabal Schwestern. Doch warum wurde ausgerechnet der 25.11 gewählt, um gezielt Gewalt gegen Frauen* zu thematisieren?

Las Mariposas

Unter dem Namen „Las Mariposas“ (Die Schmetterlinge) wurden die Mirabal Schwestern Patria Mirabal (geb. 1924), Minerva Mirabal (geb. 1926) und Maria Teresa Mirabal (geb. 1936) bekannt. Sie kämpften gegen die Diktatur von Raffael Leonidas Trujillo, der 1930 in der Dominikanischen Republik durch einen Militärputsch an die Macht kam. Zunächst war Mariposa nur der Deckname von Minerva Mirabal während ihrer politischen Untergrundtätigkeit. Nach der Ermordung der drei Schwestern ging der Name „Las Mariposas“ symbolisch auf alle Schwestern über.

Die Schwestern wuchsen unter wohlhabenden, bürgerlichen Verhältnissen im dominikanischen Landesinneren auf. Im Zuge dessen kamen sie bei einer Feier, zu der Trujillo am 12. Oktober 1949 einlud, erstmals mit dem Diktator in Kontakt. Obwohl Minerva Mirabal zu diesem Zeitpunkt bereits als „Freigeist“ und politisch aktiv bekannt war, setzt ihre Verfolgung und die ihrer Familie erst an jenem Abend ein. Vater, Mutter und Tochter Minerva wurden verhaftet, freigelassen, zwei Jahre später wieder gefangen genommen und erneut freigelassen.

Einige Jahre später schloss sich Minerva Mirabal, gemeinsam mit ihren Schwestern, der „Agrupcación politica 14 de junio“ (Bewegung 14. Juni) an, die den Sturz des Diktators plante. Ein bewaffneter Aufstand wurde organisiert, der jedoch durch das Trujillo-Regime brutal niedergeschlagen wurde. Die „Bewegung 14. Juni“ wurde kurz nach ihrer Formatierung entdeckt, Frauen und Männer wurden festgenommen und gefoltert. Unter ihnen auch Minerva und Maria Teresa Mirabal, ihre Ehemänner, sowie Patria Mirabels Mann.

Auf internationalen Druck hin mussten die Mirabal Schwestern freigelassen werden. Viele andere blieben jedoch weiterhin in Haft, darunter auch die Männer der Schwestern.
Am Heimweg vom Gefängnisbesuch bei ihren Ehemännern in Puerto Plata, gerieten die Mirabals in einen Hinterhalt. Sie wurden am 25.11.1960 brutal ermordet und die Tat später als Autounfall getarnt.

Jede dritte Frau* erfährt sexualisierte Gewalt

21 Jahre nach dem Tod der Schwestern ernannte das erste Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen ihren Todestag zum „Dia International de la No Violencia Contra la Mujer“. Durch die Ernennung eines Tages gegen Gewalt an Frauen* sollte diese erstmals gezielt thematisiert werden. Seit 1999 ist der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen*“ von der UNO anerkannt und wird weltweit dazu genützt zur Beendung von Gewalt gegen Frauen* aufzurufen.

Die Agentur der Europäischen Union für Grundrecht (FRA) veröffentlichte vergangenes Jahr eine Studie zu Gewalt gegen Frauen*, bei der Frauen* über eigene Erlebnisse mit körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt befragt wurden. 33% der Frauen* gaben an sexualisierte Gewalt erfahren zu haben, das entspricht etwa 62 Millionen Frauen*. 43% der Frauen* waren psychischer Gewalt ausgesetzt und eine von 20 Frauen* ist seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden. Diese Zahlen zeigen, dass Gewalt gegen Frauen* in der EU noch immer sehr weit verbreitet ist.

Weitere Formen der Gewalt

Doch die gegen Frauen* gerichtete Gewalt beginnt nicht erst mit einem körperlichen Übergriff oder einer Vergewaltigung. Sie umfasst nicht nur körperliche und sexualisierte Gewalt, sondern findet auch in verschiedensten Formen struktureller Gewalt Ausdruck.

Zur strukturellen Gewalt zählen alle Formen von Diskriminierung, die auf gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder kulturellen Strukturen basieren und Individuen oder Personengruppen benachteiligen. Als alltägliche Beispiele sind die ungleiche Verteilung von Einkommen und Ressourcen, oder das auf Herkunft und Geschlecht zurückzuführende Variieren von Bildungschancen und Lebenserwartungen zu nennen.

Strukturelle Gewalt trifft jedoch nicht alle Frauen* in gleichem Maße. Besonders Frauen* mit Behinderung sind in höherem Maße von struktureller Gewalt betroffen, was auf die mit der Behinderung einhergehenden Abhängigkeiten und Diskriminierungen zurückzuführen ist. Aber auch Frauen* aus bildungsfernen Schichten, mit Migrationshintergrund, Lesben, Bisexuelle, sowie Inter- und Trans*personen leiden aufgrund der mehrfachen Formen von Diskriminierung in stärkerem Maße unter struktureller Gewalt.

Um diese verschiedenen Formen der Gewalt aufzuzeigen und um gegen sie vorzugehen wurden die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen*“ ins Leben gerufen. Das ist eine internationale Kampagne, die jedes Jahr vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen* (25. November) bis zum Internationalen Tag der Menschenrecht (10. Dezember) stattfindet, um auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen. Um die verschiedensten Formen von Gewalt aufzuzeigen, werden hier am syntaxblog.at täglich Artikel veröffentlich, die sowohl körperlich und sexualisierte, als auch strukturelle Gewalt an Frauen* thematisieren.

UNO Foto: UNO