25. Oktober 2015
Geschrieben von

In Memoriam Johanna Dohnal

#Archivsonntag: Ausgabe 1 / 2010

„Im Himmel, wo du jetzt bist, wirst du wohl auch ordentlich aufräumen!“, sagte eine Wegbegleiterin und Vertraute bei der Gedenkveranstaltung für Johanna Dohnal, die im Februar diesen Jahres verstorben ist.
Dies ist der Versuch eines Nachrufes einer Frau, die nicht die Augen verschlossen hat vor dem, was schief läuft und keine Angst hatte, den Mund aufzumachen um für ihre Überzeugung einzustehen.

Die geborene Politikerin?

Johanna Dietz wurde am 14. Februar 1939 in Wien mitten in einen beginnenden Krieg hineingeboren. Als uneheliches Kind aus einer Arbeiter_innenfamilie wuchs sie im 14. Bezirk in Wien bei ihrer Großmutter auf. Später sagte Christine Nöstlinger: „Wir (sie und Johanna Dohnal, Anm. d. Red.) kommen nicht aus einfachen Verhältnissen, denn arm zu sein ist alles andere als einfach.“ Und das wusste auch Johanna Dohnal, die früh die Schule verlassen musste, um arbeiten zu gehen.

Zeitlebens blieb sie aber wissenshungrig und umgab sich andauernd mit Menschen, von denen sie lernen konnte, sie sog (nach eigenen Angaben) alles auf wie ein Schwamm.
Im weiteren Verlauf ihres Privatlebens heiratete sie, bekam einen Sohn und eine Tochter, ließ sich scheiden und lebte bis zu ihrem Tod mit Annemarie Aufreiter zusammen, mit der sie 2010 noch eine eingetragene Partnerinnenschaft einging.

„Was soll denn das heißen, eine Frau hat Mann und Kinder zu versorgen? Sind Männer denn hilflos und unmündig?“

Als ein weiteres Resultat der eben nicht ganz so einfachen finanziellen Verhältnisse – einen eigenen Fernseher oder ähnliches konnte sich die Familie nicht leisten -,in denen sie aufwuchs, begann Johanna in ihrer Jugend, die Film- und Unterhaltungsabende der SPÖ in ihrem Bezirk zu besuchen.

Als Mitglied der SP-Bezirkspartei engagierte sie sich zunächst als Kassierin, dann als Bezirksrätin und Vorsitzende der Penzinger Sozialist_innen, wo sie durch das Engagement in Sachen Fristenregelung den ersten Kontakt zur Frauen*arbeit findet.

„Mehr Frauen in der Politik bedeutet gleichzeitig weniger Männer. Und genau das ist der Grund und nichts anderes, warum die Steigerung des Frauenanteils in den gesetzgebenden Körperschaften in diesen sieben Jahrzehnten so gering war.“

Von Frauen mit Frauen für Frauen

Den Großteil ihrer politischen Arbeit, Zeit und Nerven widmete Jo- hanna Dohnal den Rechten von Frauen. Von der Gleichstellung im Beamt_innengesetz bis zur Bekämpfung von sexistischer Werbung, von der Einführung einer vom Familienstand unabhängigen Rente bis zum Schutz von (Sexual-)Gewaltopfern – die Politikerin hatte an vielen Fronten zu kämpfen. In ihren ersten Jahren als Frauen*ministerin und Staatssekretärin musste sie sogar selbst noch das “in“ auf das Namensschild “Johanna Dohnal, Staatssekretär“ schreiben, denn der Paragraph im Bundesverfassungs- und Beamt_innendienstrechtsgesetz, der besagt, dass Amtsbezeichnungen und Titel an das Geschlecht angeglichen werden müssen, trat erst 1988 in Kraft.

„Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft’. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

Ein besonderer Verdienst ist neben dem Ministerium für Frauenangelegenheiten als eigenes Ministerium auf ihr Drängen hin und der Einführung von Quoten innerhalb der SPÖ die Gründung des Vereins Autonomer Österreichischer Frauenhäuser. Anfang der 90er Jahre schuf sie somit erstmals die Möglichkeit zur Finanzierung eines unabhängigen Ortes für Frauen, die Gewalt im eigenen Haus fürchten müssen.

„Mit Johanna Dohnal verlieren wir eine treue Verbündete unserer Arbeit. Als Frauenpolitikerin hat sie Meilen- steine gesetzt. Sie wird uns als Politikerin und Mensch unvergesslich bleiben“

Maria Rösslhumer im Namen der autonomen österreichischen Frauenhäuser.

Mehr als “nur“ Frauenpolitik

Johanna Dohnal engagierte sich neben internationaler Zusammenarbeit mit autonomen und sozialistischen Frauenorganisationen in der Entwicklungshilfe, der Asyl- und Integrationsfrage, im Bildungswesen, dem allgemeinen Arbeitsrecht, in der Anti-Kriegs-Bewegung. Sie war eine der Wenigen, die die Gesellschaft als ein großes Ganzes zu erkennen vermochte.

Ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Leidenschaft teilte sie noch im Ruhestand als Vortragende an der Universität Innsbruck und Wien. Außerdem schrieb sie das Buch “Innenansichten Österreichischer Frauenpolitiken“.

Die Schranken in den eigenen Reihen

Als im Frühjahr 1995 unter dem damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky das Regierungsteam “verjüngert“ werden soll, wird Johanna Dohnal zum Rücktritt bewogen. Was die wahren Gründe für die Ausrangierung einer Politikerin mit solcher Größe war, sei dahin gestellt.

„Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.“

Zu guter Letzt…

sei noch gesagt, dass mit Johanna Dohnal eine der letzten wirklich charismatischen Politiker_innen des Landes von uns gegangen ist.
Eine Frau, die bis zuletzt für ihre Überzeugung eintrat.

Wir sagen danke.

Syntax Foto: Syntax

Infobox

Frauenhäuser

Unter Frauenhäusern werden in westlichen Industrieländern Einrichtungen verstanden, die Frauen und ihren Kindern im Falle von häuslicher Gewalt Hilfe, Beratung und vorübergehend eine geschützte Unterkunft anbieten. Aus Sicherheitsgründen werden die Adressen der Gebäude nicht in öffentlichen Verzeichnissen publiziert. Männern wird normalerweise grundsätzlich der Zutritt verweigert. Die Beratung erfolgt durch die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser sowie durch mit den Frauenhäusern kooperierende Psychologinnen, Rechtsanwältinnen und Sozialarbeiterinnen. In der Regel werden Frauenhäuser von Vereinen geführt und durch öffentliche Zuwendungen finanziell  

unterstützt oder auch vollständig  

getragen. Der Aufenthalt ist je nach Bundesland für die betroffenen Frauen, Mädchen und Jungen kostenfrei oder wird nach den Leistungen entsprechend dem Sozialgesetzbuch abgerechnet.