18. Oktober 2015
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Darf ich dich adden?

#Archivsonntag: Ausgabe 2 / 2009

Soziale Netzwerk sind die neuen Treffpunkte, wo so ziemlich alles besprochen wird. Und das heute nicht mehr nur noch für Jugendliche. Aber woher kommt die Idee, und was steckt hinter dem Gerücht des Datenmissbrauchs?

Das zweite Leben in der virtuellen Welt.

Millionen Menschen gefällt die Vorstellung von sozialen Netzwerken im Internet. Es macht es einfacher, Kontakt zu den eigenen Freund_innen zu halten und gibt den Benutzer_innen die Möglichkeit, neue Freundschaften weltweit zu knüpfen. Facebook und auch die deutschsprachige Version der VZe schaffen die Möglichkeit in wenigen Sekunden mehrere hundert Menschen zu informieren, was ich heute Abend vor habe.

Webspace culture.

Durch das Service von sozialen Netzwerken können User_innen nicht nur mit Freund_innen kommunizieren, sondern durch die Plattformen können sich auch verschiedene Interessengruppen vernetzten. In unterschiedlichen Gruppen kann ich als User_in meine Überzeugungen, Hobbies und andere Gemeinsamkeiten kundtun. Diese Interessensgruppen dienen auch als eine Art Diskussionsforum, so kann ich zum Beispiel mit Mitgliedern aus allen möglichen Teilen der Welt über das neue Album der Strokes reden.

Facebook, die mit 175 Mio. User_innen momentan größte Social Community, war vom Gründer Mark Zuckerberg eigentlich als eine Vernetzungsplattform nur für Havardstudent_innen gedacht.

Doch schon im Gründungs Jahr 2004 expandierte Facebook auch auf andere Unis und öffnete sich 2006 für alle Menschen ab dem Alter von 13 Jahren. Jedoch gab es auch starke Kritik an den “Privacy Settings” von Facebook. Um die persönlichen Daten zu löschen reicht es nämlich nicht sein_ihr persönliches Profil zu deaktivieren. Was mit diesen Daten tatsächlich passiert ist bei Expert_innen weltweit in Diskussion (bis auf Bhutan, Burma, Syrien und Iran – dort haben die Einwohner_innen auf Beschluss der Regierung keinen Zugang zu Facebook).

Der gläserne Mensch?

Prinzipiell ist der Umgang mit persönlichen Daten im Zusammenhang mit Social Communities kritisch zu betrachten. Wie bei Facebook ist es auch bei anderen Netzwerken unklar, was mit den Daten wirklich passiert und wer Einsicht hat. Bereits jetzt gibt es Firmen, die sich auf den Verkauf solcher Daten spezialisiert haben, und dieser Markt ist gerade erst am Aufblühen. “Ich hab eh nichts zu verbergen” zieht in diesem Fall wenig, vor allem in Amerika sind Fälle bekannt, bei denen Firmenchefs Jobbewerber_innen nicht einstellen wollten, weil sie auf Facebook zu viele Photos von exzessiven Trinkgelagen hatten. Aber nicht nur in den USA kommt es zu Missbrauch der persönlichen Daten, in Deutschland benutzt die BILD-Zeitung regelmäßig soziale Netzwerke, um sich Informationen und Photos für ihre Nachrichten zu besorgen.

Auch StudiVZ bekam die Empörung der Öffentlichkeit zu spüren, als bekannt wurde, dass die Website mit personalisierter Werbung arbeitet. Die deutschen Betreiber_innen dachten sogar nach, sich das Recht zu erwerben, den Nutzer_innen personalisierte Werbe-SMS zu schicken. Diese Idee wurde allerdings durch unzählige Beschwerden gekippt.

Zwar ist Datenschutz und Privatsphäre im World Wide Web schon länger ein großes Thema, allerdings wurden noch nie zuvor derart detailliert und kategorisiert persönliche Informationen von Nutzer_innen abgefragt wie bei den umfangreichen Webformularen der heutigen Sozialen Netzwerke.

Das vereinfacht die maschinelle Analyse dieser Daten enorm, und schafft so schnelle und kosteneffiziente Möglichkeit von Überwachung und personalisierter Werbung.

Darf ich dich adden? Foto: Syntax
Darf ich dich adden?