Dem österreichischen Bildungssystem fehlt das Geld für notwendige Verbesserungen. Vom Kindergarten als erste Bildungseinrichtung bis zu den weiterbildenden Schulen. Alle fordern Reformen und ein Ende der Kürzungen. Reformen bleiben aber aus. Gekürzt wird trotzdem.
April 2015: Lehrer_innen protestieren gegen die geplante Erhöhung der Klassenstunden. Zukünftig sollen sie 2 Stunden mehr im Klassenzimmer stehen.
Februar 2015: In Salzburg streiken 1000 Schüler_innen gegen die geplante Kürzung der Vorbereitungsstunden. Statt maximal 16 Stunden sollen sie nur noch 4 Stunden von den Lehrer_innen auf ihre mündliche Matura vorbereiten werden.
April 2014: Vor dem Unterrichtsministerium organisieren Schüler_innen einen Sitzstreik. Sie sprechen sich gegen die geplante Erhöhung der Klassenschüler_innenhochzahlen und andere Sparmaßnahmen aus.
April 2009: Unter dem Motto „Bildung statt Banken“ protestieren österreichweit 10 000 Schüler_innen gegen Kürzungen im Bildungsbereich. Sie fordern, dass in die Bildung investiert wird, sie fordern eine ausfinanzierte Schule.
Diese 4 Aktionen haben eines gemeinsam: Sie sprechen sich gegen Einsparungen im Bildungssystem aus. Seit Jahren protestieren Lernende und Lehrende gegen diese, seit Jahren wird weiter gekürzt. Anstatt dringend notwendiger Reformen wird eingespart und die Auswirkungen spürt man direkt im Klassenzimmer.
Die Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahre haben bewirkt, dass Sparen in allen Bereichen als alternativlos dargestellt wird. Zum Beispiel fordert der derzeitige Finanzminister, dass jedes Ressort der Regierung die eigenen Ausgaben verringern muss. So auch das Bildungsressort. 2015 soll die Unterrichtsministerin 60 Millionen Euro einsparen, 2014 waren es 57 Millionen.
Durch diesen Spardruck dreht sich der öffentliche Diskurs um Dinge wie eine erhöhte Unterrichtszeit der Lehrpersonen, um größere Schüler_innengruppen in den Klassen und um weniger Vorbereitungsstunden vor der Matura. Politische Bildung als eigenes Fach, seit Jahren von Schüler_innen gefordert, wird mit dem Argument nicht eingeführt, es wäre zu teuer.
Dadurch, dass jedoch ständig nur noch über Einsparungen geredet wird, wird vollkommen vergessen, auf wie vielen Ebenen das österreichische Schulsystem Investitionen benötigt.
Schon im Kindergarten als erste Bildungseinrichtung müssten endlich Forderungen von Expert_innen umgesetzt werden. Zum Beispiel, dass Kindergartenpädagog_innen besser ausgebildet werden, oder dass auf ein_e Pädagog_in nur noch 8 statt 24 zu betreuende Kinder fallen.
Auch in der Schule gibt es überall Aufholbedarf. Zum einen ist eine Modernisierung der Schulen längst überfällig. Das heißt auf der einen Seite, dass die Klassenräume digitalisiert werden müssen. In vielen Schulen fehlt es immer noch an genügend Computern oder Beamern. Davon, dass – wie zum Beispiel in Schweden – alle Schüler_innen einen eigenen Laptop für den Unterricht zur Verfügung haben, sind wir noch weit entfernt.
Auf der anderen Seite müssen auch die Schulgebäude neuen Lehrmodellen und der Ganztagsbetreuung angepasst werden. Viel zu viele Schulen sind veraltet und benötigen dringend Renovierungen, Sanierungen und Umbauten.
Aufgrund der schlechten internationalen Vergleiche, die durch Studien wie PISA immer wieder sichtbar werden, wird sich aber auch noch auf den pädagogischen und strukturellen Ebenen etwas verändern müssen.
Denn egal, ob bei internationalen Feldstudien, von Bildungswissenschaftler_innen oder von Schüler_innen, das österreichische Schulsystem wird heftig kritisiert.
Bei der letzten PISA-Studie 2012 waren die Ergebnisse durchschnittlich nicht besser als im Jahr 2000 und schon damals war man mit den Ergebnissen mehr als unzufrieden. Jeder_jedem fünften österreichischen Schüler_in fehlen zum Beispiel grundlegende Lesekompetenzen. In manchen Bereichen gab es sogar Verschlechterungen: Der Leistungsunterschied zwischen Mädchen und Burschen in Mathematik wurde größer (!), Mädchen schneiden bei den Ergebnissen deutlich schlechter ab.
Abseits der PISA Studie ist ein großer Kritikpunkt, dass in Österreich Bildungsunterschiede aufgrund der sozialen Herkunft immer noch enorm sind. Der Bildungsgrad und das Einkommen der Eltern sind oft für den Bildungsweg der Kinder ausschlaggebend. Bereits die Entscheidung, ob Hauptschule, Neue Mittelschule oder Gymnasium hängt stark von den Eltern ab. Nur 14% der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, wechseln nach der Volksschule in ein Gymnasium. Im Gegensatz dazu besuchen mehr als 58% der Schüler_innen aus einem Akademiker_innenhaushalt eine AHS-Unterstufe. Und Hauptschüler_innen haben später viel geringere Chancen, eine höhere Bildung zu genießen.
Um diesen Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken sind viele Maßnahmen notwendig und diese müssen finanziert werden. So ist der Ausbau der Ganztagesbetreuungsplätze ein wichtiger Schritt, um Kinder, die zu Hause weniger gefördert werden können, zu unterstützen. Außerdem müssen Kinder die bestmögliche pädagogische Betreuung erhalten, was aber mehr und besser ausgebildete Pädagog_innen erfordert.
Für die oben genannten Probleme gibt es genügend Lösungsansätze und immer wieder wird beteuert, dass das Thema Bildung Priorität hat. Warum wird dann statt von Investitionen über Kürzungen gesprochen? Warum müssen Schüler_innen immer noch in überfüllten Klassenräumen mit ungenügender technischer Ausrüstung sitzen? Warum müssen Lehrer_innen vielleicht bald mehr arbeiten, obwohl sie vielfach jetzt schon überlastet sind? Und warum zählen die Meinungen dieser wahren Bildungsexpert_innen am wenigsten? Die Regierung muss Bildung endlich den Stellenwert einräumen, den sie verdient. Denn Schule ist unser Lern-und Lebensraum, von keiner anderen Institution werden wir so sehr geprägt, kein anderer Ort beeinflusst uns so sehr.
„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung“ – J.F. Kennedy
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AKS