26. Januar 2016
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Ein Ball, eine Demo

Am 29.1 findet wie jedes Jahr der Akademikerball in der Wiener Hofburg statt. Organisiert von der FPÖ, abgehalten in einem der repräsentativsten Gebäude der Republik Österreich. Wie jedes Jahr demonstrieren Tausende gegen das Event. Vergnügen auf der einen, Wut auf der anderen Seite.

In der Hofburg

Die Geschichte des Akademikerballs reicht bis in die fünfziger Jahre zurück. Der immer schon umstrittene Ball trägt damals den Namen WKR-Ball und wird bis 2012 noch vom Wiener Korperationsring organisiert, einem Zusammenschluss mehreren Wiener Studentenverbindungen. Darunter befinden sich dutzende sowohl schlagende als auch nicht schlagende Burschenschaften. Burschenschaften, bei denen Rassismus, Hetze und auch oft körperliche Betätigung keine Seltenheit sind. Schlagende Burschenschaften, die sich oft ohne Schutzkleidung und Erfahrung mit Fechten die Zeit vertreiben. Antisemitisches, frauenfeindliches und homophobes Gedankengut ist die Folge dieser politischen Ausrichtung.

Der WKR-Ball wird vor allem von hochrangigen Vertreter_innen der rechten Szene besucht. Ein Ball, der von Beobachter_innen als „widerlicher Ball für Nostalgiker des 3. Reiches“ beschrieben wird. Ein Ball, der also zur Vernetzung von rechten und rechtsradikalen Politiker_innen, sowie Funktionär_innen verschiedenster Organisationen gilt.

Das alles findet noch dazu in einem der bekanntesten und renommiertesten Gebäude ganz Österreichs statt. Der Hofburg, dem Sitz des Bundespräsidenten. Jahrelang wird von offizieller Seite nichts unternommen. Doch als im Jahr 2011 die Betreiber_innengesellschaft der Hofburg endlich ankündigt, dass der WKR-Ball das letzte Mal in der Hofburg stattfinden würde, haben unzählige Demos auf einmal ihr Ziel erreicht. Schnell jedoch verwandelt sich die Euphorie darüber wieder in Frust. Die freiheitliche Partei Österreich, kurz FPÖ, kündigt an, von nun an einfach jedes Jahr selber, zufällig zur gleichen Zeit mit den gleichen Gäst_innen in der gleichen Location den (möglicherweise gleichen?) Ball zu organisieren. Die Reaktion der Betreiber_innengesellschaft?„ Allen Parteien Österreichs stünde die Hofburg offen.“

Auf den Straßen

Jedes Jahr versammeln sich unzählige Menschen und demonstrieren gegen den WKR-Ball, seit 2013 gegen den nachfolgenden Akademikerball. Es sind vor allem die Jungen, die auf die Straße gehen und schreien. Sie schreien laut für eine Hofburg, in der keine Rechten aufmarschieren, in der sie sich nicht vernetzen können.

Die Demonstration, die schon seit mehreren Jahren von der Offensive gegen rechts (ein Bündnis mehrerer linker Organisationen) organisiert wird, läuft friedlich ab und trägt den Namen „offensiv.solidarisch.antifaschistisch.“ Niemand wird verletzt. Es werden keine Scheiben eingeschmissen und keine Reifen aufgestochen. Endet die Demo verteilen sich schlagartig tausende Menschen in der Wiener Innenstadt. Während die einen sich versammeln und bei Kundgebungen Holocaust-Überlebenden zuhören, gehen die anderen in die engen Gassen des 1. Bezirks und versuchen den Ballgäst_innen den Zutritt zur Wiener Hofburg zu verwehren. Sie setzten aktiv ein Zeichen gegen das Wegsehen der Politik beim Akademikerball. Setzen sich vor Autos, blockieren und stellen Mistkübel wieder auf. Szenen, die von Medien und Polizei schnell falsch ausgelegt werden. Während die Presse über einen angeblich zerstörten ersten Bezik berichtet, zeigt die Polizei ohne Beweise Demonstrant_innen an und sperrt sie hinter Gitter.

Warum wird Rechten die Hofburg überlassen?
Warum darf nationalistisches und menschenfeindliches Gedankengut verbreitet werden? Warum sieht die Politik so lange weg?

Am 29.1 werden auf jeden Fall wieder tausende Menschen auf die Straße gehen und schreien: „Flüchtlinge bleiben, Burschenschaften vertreiben!“

APA/HERBERT P. OCZERET Foto: APA/HERBERT P. OCZERET