17. Dezember 2015
Geschrieben von

Kämpfer* für Gleichberechtigung?

Islamfeindlich oder tatsächlich Feminist* im Kampf für mehr Frauen*rechte?

Das Kopftuch. Kaum ein Thema hat in Österreich so viel Diskussionspotential wie das Tragen eines einfachen Stück Stoffs auf dem Kopf. Denn „Auch ein bunter Stoff sieht nach Unterdrückung aus.“ ( Helmut Brandstätter, Chef_innenredakteur des Kurier). Ein Kommentar über Unterdrückung, religiöse Symbole, die Angst vor diesen und was ein einfaches Stück Stoff dabei für eine Rolle spielt.

Es ist kein neues Phänomen, doch nicht-muslimische Männer* fühlen sich  in der österreichischen Kopftuchdebatte des Öfteren dazu berufen, Musliminnen* vor der unterdrückerischen Kopfbedeckung zu beschützen und sprechen sich deswegen fast immer gegen dieses aus. Alles natürlich nur dafür, dass auch muslimische Frauen* endlich ein selbstbestimmtes Leben führen können. Doch hat der ein oder andere nicht vielleicht auch einfach ein Problem mit dem Islam und tarnt sich deswegen als Kämpfer* für Gleichberechtigung? Eine grobe Unterstellung? Wie sieht es aus, wenn wir dieser einfach einmal nachgehen:

Es ist der Chef_innenredakteur des Kurier, Helmut Brandstätter, der sich mit dem Konflikt des Kopftuches als religiöses Symbol in der Öffentlichkeit auseinandersetzt. Warum genau ist vielen unklar. Weder trägt er selbst ein Kopftuch, noch kennt er wahrscheinlich viele Kopftuchträgerinnen*. Dennoch beeinflusst er mit seinem Artikel tausende Leser_innen, ohne tatsächlich in das Thema verwickelt zu sein. Er sei einfach stiller, neutraler Beobachter. In dieser Funktion habe er den perfekten Überblick über das Geschehen und könne ganz objektiv Sachverhalte erläutern und kommentieren. Ganz objektiv und neutral? Schlagworte, die oft von genau solchen Beobachtern missbraucht werden. Zu oft versteckt sich hinter dem unermüdlichen Geichberechtigungskampf für unterdrückte, fremdbeherrschte und eingesperrte Frauen* die Angst gegenüber anderen Kulturen. Die Angst vor dem Unbekannten, das man nicht versteht. Für genau diese Leute ist es nicht verständlich, warum es auch Frauen* gibt, die tatsächlich freiwillig ihr Kopftuch tragen.

Im Koran heißt es, Frauen sollten ihren Blick senken, ihre Scham bewahren und ihren Schmuck verstecken. Dieses Gebot ist auf keinen Fall fair. Dass viele muslimische Frauen* im veralteten Rollenbild der stillen und zurückhaltenden Hausfrau stecken, ist nicht in Ordnung. Doch die Frauen*, die verstanden haben, dass sie kein Gebot davon abhalten kann ein selbstbestimmtes Leben zu führen, müssen deswegen nicht gleich ihre Religion aufgeben. Vielen gibt diese sogar Hoffnung und Mut im Leben. Dennoch stehen vor allem diese Frauen* für eine neue Generation von Musliminnen*. Tagtäglich setzen sie sich aktiv dafür ein den Islam zu einem Ort zu machen, in dem Frauen* alles dürfen, was Männer schon längst tun. Deswegen jedoch das Kopftuch ablegen, kommt für sie nicht in Frage. Sie tragen es bewusst um zu zeigen, dass man auch Kopftuchträgerin* und Feministin*, Doktorin*, Unfallchirurgin* und vielleicht auch irgendwann mal Bundespräsidentin* sein kann.

„I’am more than a women in a scarf.“ (Anonym)

Ihr Kopftuch definiert diese Frauen* nicht als Menschen, ihre Taten und Handlungen tun es. Wenn Fiktion und Realität aufeinander treffen wird klar, dass Stereotypen und Vorurteile entstanden sind, die aufgebrochen werden müssen. Kopftuch heißt nicht gleich Ausländerin*. Heißt nicht gleich dumm oder eingesperrt zu sein. Klischees wie diese behindern Frauen* mit Kopftuch daran ein selbstbestimmtes und vorurteilsfreies Leben zu führen, nicht der bunte Stoff, den sie um den Kopf tragen. Menschen, die Vorurteilen keinen Platz geben dürfen, sind die einzigen, die diesen Frauen* ein besseres Leben ermöglichen können. Es liegt an ihnen Meinungen immer und immer wieder zu hinterfragen. Das eigene Denken zu reflektieren und zu begreifen, dass ein Kopftuch schlussendlich vielleicht doch nicht mehr als ein schönes, buntes Stück Stoff ist.

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