19. Oktober 2016
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Fokus: Grundschule

Bildungsökonomisierung, Gesamtschule, Zentralmatura, Kinderbetreuung, Schulautonomie... Das sind Themen, über die sehr häufig diskutiert wird, Themen, die uns allen altbekannt sind. Dass all diese Themen direkt oder indirekt auch mit dem großen Thema „Volksschule“ zusammenhängen, wird immer wieder vergessen.

Worum geht’s?

Wer kann sich nicht an den ersten Schultag erinnern? Und wer tut das nicht gerne? Kindheit, Motivation und Neugier sind die Assoziationen, die wir damit verknüpfen. Ein neuer „Lebensabschnitt“ beginnt: die Schulzeit.

Den ersten Teil dieser Schulzeit verbringt der Großteil der Kinder in Österreich in den Volksschulen, welche sie meistens vier Jahre lang besuchen. Diese Schulform ist sehr prägend für alle Kinder. Hier wird ein wesentlicher Grundstein für unseren späteren Bildungs- und Lebensweg gelegt. Die Meinungen, wie diese Schulform aufgebaut und organisiert werden sollte, gehen deshalb auch in Österreich sehr weit auseinander.

Die Unterschiede

 „Volksschule“

Aufstehen, frühstücken und sich gemeinsam mit den Nachbarskindern auf den Schulweg machen. Wie beigebracht, wird auf dem Schulweg noch nicht gespielt, sondern erst später am Schulhof. Alles andere könnte ja gefährlich sein, auf den Straßen gibt’s sowas wie Autos. In der Schule geht’s dann richtig los: erste Stunde Rechnen, zweite Stunde Lesen und Schreiben und so weiter… Ab und zu mal Sachunterricht, Musik, Werken und Turnen. Dazwischen gibt’s natürlich auch immer Pausen, in denen im Gang „Verstecken“ gespielt wird.

Nach dem Unterricht begeben sich die Kinder wieder auf den Heimweg oder werden abgeholt. Nachmittags stehen die Schulklassen die meisten Tage leer. Für Nachmittagsprogramm und Hausübungen sind also oft die Erziehungsberechtigten zuständig.

„Ganztagsschule“

Aufstehen, frühstücken und sich gemeinsam mit den Nachbarskindern auf den Schulweg machen… Vormittags sieht es in der Ganztagesschule gleich aus, wie im oberen Absatz – unterschiedlich wird’s erst ab der Mittagspause: Gemeinsam mit den anderen Kindern essen gehen und danach zuerst einmal betreut die Hausübungen erledigen. Dann gibt’s noch Nachmittagsprogramm. Am späten Nachmittag werden dann alle abgeholt und daheim wird erzählt, was so alles passiert ist.

„Verschränkter Unterricht“

Aufstehen, anziehen und gefrühstückt werden kann entweder in der Schule oder noch daheim. Der Stundenplan sieht allerdings schon ganz anders aus als gewohnt. Es gibt Stunden mit „Lesen und Schreiben“ und Stunden mit „Freizeit“. Musikworkshops werden angeboten und manchmal kommen auch Vereine in die Schule und stellen die jeweiligen Sportarten vor. Die Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen lokalen Institutionen ist Alltag. „Freizeit“ gibt es ganz unabhängig von der Tageszeit – so gibt es mehr Abwechslung statt Eintönigkeit. Betreutes Spielen ist wichtig und kommt nicht zu kurz. Die Idee des verschränkten Unterrichts ist es, Kinder den ganzen Tag zu betreuen und den Lernprozess durch Bewegung, Kreativität und Abwechslung zu fördern. Außerdem ermöglicht der verschränkte Unterricht den Kindern einen faireren und niederschwelligeren Zugang zu Institutionen wie Musikschulen und Sportvereinen.

Die Debatte

Die bildungspolitische Debatte dreht sich vor allem darum, ob Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen sollten oder nicht. Momentan gibt es gerade in den ländlichen Gebieten Österreichs wenig Zugang zu ganztägigen Betreuungsmöglichkeiten, die finanzielle Situation der Elternhäuser ist außerdem immer unterschiedlich. Das bedeutet, dass gerade Kinder deren Eltern arbeiten müssen kaum die Möglichkeit auf eine qualitativ hochwertige Betreuung haben. Es gilt also abzuwägen, wie für alle Kinder das bestmögliche Modell geschaffen und garantiert werden kann. In der Volksschule gibt es momentan keine Differenzierungen. Es gibt weder „Leistungsgruppen“ noch unterschiedliche Modelle wie dann in der Unterstufe. Kinder lernen voneinander und miteinander. Damit es auch so bleiben kann wäre es wichtig, auch bei den verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten ein einheitliches System zu finden in welchem die Kinder dann individuell ihre Stärken und Talente ausleben und vervielfältigen können. Neben Zentralmatura und anderen Themen sollte auch die Volksschule nicht zu kurz kommen!

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