24. Februar 2016
Geschrieben von

Hände falten, Goschn halten?

Themenwoche Bildungswünsche

Seit jeher ist Religion ein Pflichtgegenstand in jeder Schulstufe. Doch was versteckt sich hinter dieser „Glaubenslehre“? Wie sinnvoll ist ein solcher Religionsunterricht in unserer Gesellschaft und welche Alternativen gibt es?

Problematik und Kritik

Wöchentlich werden Schüler_innen, welche den Religionsunterricht besuchen, Wertvorstellungen beigebracht, eine kritische Haltung gegenüber der Religion spielt im Unterricht leider oft keine Rolle.

Der Inhalt des römisch-katholischen Lehrplans lässt den Lehrpersonen zwar die Möglichkeit, das Fach frei zu gestalten, die Inhalte können jedoch weder von ihnen noch vom Staat verändert werden. Das heißt, es kann selbst gegen jene Themen, welche nicht mehr dem modernen Gesellschaftsverständnis entsprechen oder sogar auf manche Personen verletzend oder diskriminierend wirken nicht vorgegangen werden. Als Beispiel kann hier homophobes Gedankengut genannt werden, das bekannterweise in der katholischen Kirche durchaus ein präsentes Thema darstellt.

Doch was bedeutet das für uns Schüler_innen? Die größte Problematik besteht darin, dass der Religionsunterricht fester Bestandteil der gesamten schulischen Bildung, also auch der Volksschule. Vor allem in jungem Alter lässt man sich leicht beeinflussen und wagt möglicherweise den Schritt der eigenen Meinungsbildung nicht. Das kann in manchen Fällen zu Druck und Verunsicherung führen und bevor man sich den eigenen Eltern und der Glaubensgemeinschaft widersetzt, fügt man sich also dem vorgetretenen Glaubenspfad und lässt somit die Möglichkeit der Abzweigung und den Weitblick völlig außer Acht.

Wie bereits erwähnt, darf die Haltung der Kirche gegenüber beispielsweise Homosexualität oder Empfängnisverhütung im fundamentalistischen römisch-katholischen Religionsunterricht natürlich nicht fehlen, mit der daraus resultierenden Intoleranz hat die davon betroffene Gesellschaft zu kämpfen. Eine sogenannte grundlegende Kompetenz, die allen Besucher_innen des römisch-katholischen Religionsunterichtes beigebracht wird und somit auch im Lehrplan mit inbegriffen ist, ist das „Kennenlernen christlicher Werte“. Diese umfassen sowohl das Bezeichnen der Abtreibung als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ und „komplett verwerflich“, als auch die Inakzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe.

Ethikunterricht als Ersatzprogramm

Seit dem Jahre 1997 existiert der Ersatzpflichtgegenstand Ethik an einigen allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) sowie berufsbildenden und mittleren höheren Schulen (BMHS) ab der neunten Schulstufe als Schulversuch für jene Schüler_innen, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen dürfen beziehungsweise wollen.

In diesem Unterrichtsgegenstand wird nicht nur die römisch-katholische Weltanschauung thematisiert, sondern der Lehrplan sieht ein Gleichgewicht aller Konfessionen vor. Das fördert den Austausch verschiedenster Kulturen und erzieht zur gegenseitigen Toleranz.

Sieht auf den ersten Blick nach einer angemessenen Alternative für den ordinären Religionsunterricht aus – schön wäre hierbei allerdings die Möglichkeit, dieses Fach schon zu Beginn der Schulausbildung wählen zu können, um einem einseitigen Blick auf Religionen aufgrund von acht Jahre langem Religionsunterricht entgegenzusteuern und eine differenzierte und begründbare Weltanschauung zu ermöglichen.

Seit 1997 kommt Ethik nicht aus dem Stadium des Schulversuches heraus, denn bereits seit der Einführung wirkt die katholische Kirche gegen diesen Gegenstand an, da er natürlich eine Konkurrenz für den derzeitigen Religionsunterricht darstellt. Gäbe es von Anfang an die Möglichkeit zur Wahl, wer würde denn dann noch Religion und damit das Aufzwingen veralteter moralischer Werte wählen? In diesem Fall wäre Religionsunterricht als Pflichtgegenstand also hinfällig. Doch wäre genau das nicht die beste Lösung? Verpflichtender Ethikunterricht für alle und die Möglichkeit des Freigegenstandes jeglicher konfessioneller Religion.

Kreuzdilemma

Abgesehen von der ständigen Präsenz der Glaubensfrage im Unterricht und den daraus resultierenden Konflikten, erinnern uns die in jedem Klassenraum hängenden Kreuze stets an die zwingende Unterwerfung der katholischen Mehrheit und das Versagen der Demokratie, welche im ursprünglichen Sinne eine Meinungs- & Glaubensfreiheit voraussetzt und somit auch den Nicht- oder Andersglauben erlauben sollte. Eigentlich sollten wir alle also frei sein, uns nicht den Bräuchen, Überzeugungen oder Handlungen der Mehrheit fügen zu müssen.

Ein Fundament der Demokratie – die religiöse Neutralität eines Staates – wird durch die Anbringung der Kreuze, einem eindeutigen Symbol des Christ_innentums, angefochten.

Die Demokratie scheitert in der Kreuzfrage auf mehreren Ebenen. Denn selbst wenn eine gesamte Schulklasse sich gegen die Anbringung des Kreuzes auflehnt, bleibt es hängen, mit der Begründung das Abhängen würde Ärger einbringen.

Die Institution Schule rechnet also damit, dass die absolute Mehrheit dem Christ_innentum angehört, doch die Schüler_innen, welche sich anderer Konfessionen bekennen, werden durch keine Zeichen vertreten. Die Frage, wer denn wohl das Anbringen der Kreuze in Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Gebäuden verordnet hat, beantwortet sich vermutlich von selbst.

Generell sollte es jeder Person selbst überlassen sein, an wen beziehungsweiße was, sie glauben möchte und sollte sich auch frei fühlen, an nichts zu glauben. Religion ist Privatsache.

Autorinnen: 

Miriam Mitmansgruber ist 15 und besucht das Akademische Gymnasium in Innsbruck

Kathy Fuchs ist 16 und besucht ebenfalls das Akdemische Gymnasium in Innsbruck

Soll das Kreuz wirklich in der Klasse hängen? Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Soll das Kreuz wirklich in der Klasse hängen?