Im Schuljahr 2010/11 besuchten ca. 10% aller Schülerinnen und Schüler in Österreich eine Privatschule. Ungefähr die Hälfte aller Privatschulen ist Teil der römisch-katholischen Kirche.
Doch wie ist es solch eine katholischen Privatschule zu besuchen?
Ein Erfahrungsbericht.
Es ist 8 Uhr und die Schulklingel läutet mittlerweile zum zweiten Mal. Die Lehrkraft tritt in die Klasse. „Guten Morgen Herr_Frau Professor_in.“ – „Wer mag heute das Gebet vorlesen?“ Eine Person meldet sich oder wird unfreiwillig ausgewählt. Alle Schüler_innen richten sich in Richtung Kreuz. „Im Namen des Vaters, … Amen.“ Das Gebet wird vorgelesen, ab und zu wird auch das „Vater Unser“ gesungen. Und erneut: „Im Namen des Vaters,… Amen.“ Nach ca. 5 Minuten kann nun endlich die erste Unterrichtsstunde beginnen.
So beginnt für mich seit mittlerweile schon fast fünf Jahren die erste Unterrichtsstunde. Oft schalte ich währenddessen einfach mein Hirn aus oder krame ganz leise und unauffällig meine Schulsachen hervor. Doch fünf Jahre in dieser Schule verbringen, sind, wenn wir uns ehrlich sind, nichts. Denn rein theoretisch kann man auch die ganze Kindheit in diesem Gebäudekomplex verbringen. Krabbelstube – Kindergarten – Volkschule – Neue Mittelschule – Gymnasium Unterstufe – Hort – Gymnasium Oberstufe – HLW – BAKIP.
In Österreich werden Privatschulen nach dem Privatschulgesetz geregelt und der Name der Schulerhalter_innen muss erkennbar sein. Ich glaube, bei meiner Schule ist dieser St. Angelus, aber sicher bin ich mir nicht. Also doch nicht so erkennbar, wie es sein sollte. Es gibt zwei Formen von Privatschulen: jene ohne Öffentlichkeitsrecht und jene mit Öffentlichkeitsrecht.
Eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht hat nicht die Befugnis anerkannte Zeugnisse bzw. eine Matura durchzuführen. Dafür benötigen sie eine spezielle Externist_innenprüfung, die meistens in einer anderen Schule durchgeführt wird. Und es gibt Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht, die normale (Matura-)Zeugnisse ausstellen dürfen.
Doch wie sieht es mit der Finanzierung aus? Einerseits besteht die Möglichkeit, dass Privatschulen aus der öffentlichen Hand subventioniert werden, andererseits – wie in meinem Fall – können sie von gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften finanziert werden. Dennoch verlangen so gut wie alle Privatschulen ein monatliches Schulgeld, die einen mehr, die anderen weniger.
Wenn man zu unserer Schule geht und ganz genau auf die Architektur achtet, könnte dem einen oder der anderen auffallen, dass ein riesiges Kreuz aus dem Gebäude hervor steht. Ich muss zugeben, dass es den Menschen erst auffällt wenn man es erwähnt, doch danach sticht es wirklich hervor.
Doch Kreuze sind nicht das einzige religiöse Symbol. Im 4. Stock befindet sich eine hauseigene Schulkapelle. Eigentlich haben wir ja zwei, doch die andere ist im Altersheim, in das wir nur zum weihnachtlichen Gottesdienst gehen. Insgesamt besuchen wir vier Mal im Jahr die Kirche. Drei mal davon sogar die größte Kirche von Linz, den neuen Dom. Nur an diesen drei Tagen im Jahr treffen wir auf die gesamte Schule, denn es ist eine wirklich große!
Das hört sich jetzt alles ziemlich nach beten, Kirche gehen und religiös sein an. Wir haben zwei Stunden in der Woche Religion, wo man sich auch nicht abmelden kann. Doch unser Religionsunterricht ist eigentlich wie Ethikunterricht, zumindest bei den zwei Professorinnen die uns bisher unterrichtet haben. Auch für unsere Klasse bzw. meinen Mitschüler_innen spielt Religion an sich nicht so eine wichtige Rolle im Leben. Ich denke es ist auch eine Sache der Reflektion. Wenn man sich zum Beispiel das morgendliche Beten in unserer Klasse ansieht, sind wir von fünfzehn Schüler_innen nur zu zweit die nicht mitbeten. Ansonsten unterscheidet sich die Schule nicht wirklich von öffentlichen Schulen.
Ich gehe in die HLW für Kommunikation- und Mediendesign. Vor fünf Jahren habe ich mich nur wegen diesem Ausbildungsschwerpunkt für diese Schule entschieden. Und ich muss sagen, ich habe es bisher noch nicht bereut. Eventuell meine Eltern, weil sie seit fast 5 Jahren monatlich über 100 Euro Schulgeld zahlen.
Die Autorin will anonym bleiben.
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Autorin
37 Schüler_innen * 10 Monate (im Jahr) * 5 Jahre * 135 Euro Schulgeld = 249.750 -> gerundet 250.000 Euro Schulgeld in 5 Jahren
Berechnet wurden die Kosten für die Schüler_innen von 2 Maturaklassen der Schule