25. Oktober 2015
Geschrieben von

Kinder für die Volkspartei

Leser_innenbrief bezüglich der Aussagen des Vorarlberger Landeshauptmannes zum Umgang mit Roma.

Am Dienstag berichtet der ORF über Vorarlbergs neue Methode, mit Menschen, deren Lebenssituation von außerhalb als „Notsituation“ eingestuft wird, umzugehen. Landeshauptmann Markus Wallner verkündet die geniale Idee, die Lager der Roma-Familien in Dornbirn aufzulösen und ihnen ihre Kleinkinder entziehen zu wollen. Er wolle “(…) nicht das Signal aussenden, dass wir in Vorarlberg für diese Bettelgruppen, vielleicht auch in größerer Zahl hier Unterkünfte anbieten, das ist nicht unsere Aufgabe”.

In der Dornbirner Achsiedlung haben seit einigen Wochen 40-80 Reisende aus Rumänien ihre Zelte aufgeschlagen. Darunter natürlich auch Familien mit Kindern. Selbst für die Mütter, die gerade ein Kind zur Welt brachten bietet das Land Vorarlberg keine Notschlafstellen oder andere Hilfeleistungen. Der Landeshauptmann ist jetzt allerdings schon so weit, über eine solch großzügige Idee zumindest nachzudenken. Wenn es aber eine Notschlafstelle für Mütter geben solle, dann aber nur als „kurzfristige Hilfestellung für zwei bis vier Tage.“

Vorarlberg ist ein Land mit vielen Ressourcen. Davon spricht nicht nur die Landesregierung selbst immer wieder, sondern das erkennt auch der Vorarlberger Franz Koller, der momentan in Wien den größten Roma Verein Österreichs leitet. Er meint: „Menschen, die sich offensichtlich in einer Notlage befinden, gar nichts anzubieten, obwohl es die Ressourcen offensichtlich geben würde in Vorarlberg, ist problematisch.“
Die Landesregierung hat es allerdings in der Hand, über die Verwendung dieser Ressourcen, worunter natürlich auch Geldmittel fallen, zu entscheiden. Anstatt da zu helfen, wo dringende menschliche Hilfe notwendig ist, investiert unser wirtschaftlich am stärksten wachsendes Bundesland lieber 226,5 Millionen Euro in fragwürdige unterirdische Tunnelprojekte oder Ähnliches.

Es heißt, wie eine Gesellschaft mit Minderheiten und Menschen in Notlagen umgeht, ist ein Gradmesser für ebendiese.
Ich schäme mich in einem Bundesland zu leben, in dem eine Regierung es als Lösung ansieht, Familien ihre Neugeborenen wegzunehmen anstatt ihnen Notunterkünfte zu bieten.
Ich schäme mich dafür in einem Bundesland zu leben, in dem sogar die Regierung selbst nicht erkennt was es heißt, eine solche Randgruppe zu sein.
Ich schäme mich, Teil einer Gesellschaft zu sein, für die Menschlichkeit ganz hinten ansteht, die Menschen vertreiben will und ihrer Regierung blind vertraut.

Syntax Foto: Syntax