13. November 2015
Geschrieben von

Support your sisters*!

Immer wieder stolpert Hannah Stangl über Frauen*, die sich bewusst nicht als Feministinnen* bezeichnen. Was aber steckt hinter solch einer Entsolidarisierung? Und wie kann man als Frau* darauf reagieren?

Solidarität bedeutet, für Menschengruppen zu kämpfen, zu denen man selbst nicht gehört. Menschen, die ein anderes Umfeld, andere Probleme, eine andere Lebensrealität als man selbst haben. Solidarität bedeutet, eigene Privilegien zu erkennen und Probleme anderer ernst zu nehmen.
Wenn es mir als Frau* zum Beispiel selbst nicht passiert, auf der Arbeit ständig sexistische Kommentare einstecken zu müssen, ist das zwar super, heißt aber nicht, dass es dieses Problem nicht gäbe. Sexismus ist zum Beispiel kein Problem, das zufällig einzelne Personen betrifft, sondern strukturelle Gewalt, das heißt, dass dahinter ein System steckt. (In diesem Fall ein patriarchales, das Sexismus gegenüber Frauen* ausübt.) Privilegien, also quasi die Abwesenheit von diesen Problemen im Leben einzelner Personen, sind zwar nicht zu verurteilen, doch mit einem Privileg kommt auch immer die Verantwortung, richtig damit umzugehen und sich diesem bewusst zu werden. Erst dann verliert der Satz „Mich betrifft es nicht, also gibt es das Problem nicht“ an Anhänger_innen.

„Wir haben ja 2015…

…, eh alles super oder? Ihr Schicksal haben Frauen doch eh längst selbst in der Hand! “
Ganz so rosig sieht es leider immer noch nicht aus. Viele der Probleme sind allerdings subtiler geworden, was sie zwar nicht weniger wichtig, aber schwieriger zu bekämpfen macht. Und so scheinen viele privilegierte Frauen* keine Gründe mehr zu sehen, sich gegen die Probleme einer nicht so privilegierten Frau* einzusetzen. „Was verbindet mich denn mit den Problemen von der da?“ Um diese Frage zu beantworten, ein kleiner Ausflug in die Theorie:

Das Private ist politisch

Um gegen Ungerechtigkeit vorzugehen, braucht es eine gewisse Organisation. Die Unterdrückenden (z.B. Männer*) werden die Unterdrückten (z.B. Frauen*) allerdings nicht freiwillig aus ihrer Unterdrückung befreien. Es hätte für sie schließlich keinen Vorteil. Weil das also nicht geschehen wird, müssen die Unterdrückten selbst aktiv werden und beginnen, für sich selbst ein- und aufzustehen.
Hier kommt die Solidarität ins Spiel: Denn dass eine Gruppe Menschen im selben Boot sitzt, muss ihr erst einmal bewusst werden. Eine geistige Verbindung muss zwischen ihnen entstehen, und wenn wir bei obigem Beispiel bleiben, ist diese Verbindung, dieses Bewusstsein, die Frauen*solidarität. Erst, wenn man erkennt, dass eigene Probleme politisch sind, und viele andere betreffen, kann man sich organisieren, und gemeinsam gegen Unterdrückung vorgehen. Und auch wenn man gewisse Privilegien hat und diese Ungerechtigkeiten gar nicht mehr persönlich wahrnehmen muss, schafft es sie, wie gesagt, nicht aus der Welt.
So die Theorie. In der Praxis stößt man allerdings insbesondere im Internet immer häufiger auf Frauen*, die darüber schreiben, warum sie „der Feminismus anekelt“, die von sich behaupten, keinen Feminismus zu brauchen, um ihre Ziele zu erreichen. „Was verbindet mich also mit der?“ Wer die letzten Absätze nicht nur halbherzig überflogen hat, kann solchen Fragen jetzt getrost antworten: „Die Tatsache, dass ihr euch beide als Frauen* definiert.“

Support your sisters* – Not your cis-ters!

Auch soll Frauen*solidarität nicht nur zwischen Cis-Frauen gegeben sein (das heißt Frauen, die sich als Frauen definieren und auch bei der Geburt dieses Geschlecht zugeschrieben bekamen). Sie sind nämlich nicht die einzigen, die vom Patriarchat unterdrückt werden. Genauso betroffen sind auch Inter- und Trans*personen. Hierbei ist auch eine Wertung nicht angebracht, das heißt die Frage, wer mehr und wer weniger unterdrückt wird, ist in so einer Diskussion fehl am Platz. Grundsätzlich gilt also: Frauen*solidarität mit allen, die sich nicht als Cis-Männer definieren.
Frauen*solidarität hat nichts damit zu tun, dass einzelne Frauen* nicht alleine mit ihren persönlichen Problemen zurecht kommen würden. Sie zielt darauf ab, alle Frauen*, Inter- und Trans*personen Teil einer Bewegung zu machen, in der sie gegen ihre Unterdrückung kämpfen. Alleine könnte das nämlich schwierig werden.

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