3. Oktober 2015
Geschrieben von

Refugees Welcome

ein Veranstaltungsbericht

Ein turbulenter Sommer voll von menschenunwürdiger Asylpolitik liegt hinter uns. Um dem im kleinen Rahmen entgegenzuwirken veranstaltete die aks Salzburg ein Picknick ohne Grenzen für Schüler_innen aus Salzburg und minderjährige Flüchtlinge. Hannah Stangl schreibt von ihren Eindrücken:

Come together!

Nach inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und Asylpolitik wollten wir, die aks Salzburg, nicht mehr länger nur zuschauen, und veranstalteten Mitte August ein Picknick ohne Grenzen. Dabei sollte Schüler_innen aus Salzburg und minderjährigen Flüchtlingen eine Chance gegeben werden, sich im Rahmen eines gemeinsam verbrachten Nachmittags näher kennenzulernen.

Was sind „UMFs“ ?
UMF steht für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, das heißt Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern fliehen und noch unter 18 sind. In Österreich befinden sich derzeit rund 1.300 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Betreuungseinrichtungen, weitere 1.900 halten sich oft monatelang in überfüllten Erstaufnahmestellen auf, ohne besonderer Betreuung und Hilfe, ohne Möglichkeit auf Schulbesuch, ohne geregelter Tagesstruktur.

Das Angebot nutzten sowohl Flüchtlinge, als auch Schüler_innen und Familien und so füllte sich das aks Salzburg Büro schnell mit gut 25 neugierigen Menschen. Nach verschiedenen Kennenlernspielen waren die Namen wohl auch der letzten Person geläufig und spätestens zu dem Zeitpunkt war das Eis gebrochen. Bei Käsebroten, Kuchen und Obst wurden anschließend die ersten Spiele ausgepackt: Bald war das Büro mit Lachen und Gesprächen gefüllt, später sogar mit Live-Musik von Javier Rodaro, einem jungen Salzburger Musiker.

Wie sieht es rechtlich aus?
Theoretisch sieht die UN-Kinderrechtskonvention für minderjährige Flüchtlinge den vollen Rechtsanspruch auf die Kinderrechte vor, den hier aufwachsende Kinder haben. Zum Beispiel gilt die Schulpflicht in Österreich für alle Kinder, unabhängig von Staatsbürgerschaft und Aufenthaltsstatus. In Realität werden diese Kinderrechte allerdings oft missachtet und verletzt, was nicht nur die ungeeignete Unterbringung in Erstaufnahmestellen zur Folge hat, sondern auch Diskriminierung im Alltag.

Nachdem die letzten Brote aufgegessen waren, neigte sich das Picknick schließlich einem Ende zu. Wir verabschiedeten uns, doch nicht für lange, denn mit vier der Flüchtlinge gab es ein baldiges Wiedersehen auf dem Sommerseminar zwei Wochen später. Fünf Tage lang Workshops, Spiele und Parties mit Jugendlichen aus mehreren Bundesländern boten eine willkommene Abwechslung. Hadi Gholami gefiel es dort sehr gut, „besonders der Workshop über Rassismus und die Schnitzeljagd am letzten Abend.“

Und jetzt?

Es war ein schönes Gefühl nach dem Picknick heimzugehen, das Lachen einzelner Personen noch immer im Hinterkopf. Doch eines erscheint mir bei dieser Veranstaltung und denen, die noch folgen werden, besonders wichtig: dass es nicht darum geht, unser eigenes Gewissen zu erleichtern, uns als Held_innen zu inszenieren, es geht nicht darum, menschliche Gesten zu verüben, um uns in irgendeiner Form besser zu fühlen. Viel mehr sollte es darum gehen, alles, was in unseren Möglichkeiten liegt, auch zu nutzen, um Raum zur Vernetzung und Solidarisierung unter Jugendlichen zu schaffen. Auch wenn es damit längst noch nicht getan ist, war das Picknick ein erster Schritt dazu und brachte hoffentlich etwas ins Rollen.

Javier Rodaro performt live beim "Picknick ohne Grenzen" Foto: AKS Salzburg
Javier Rodaro performt live beim "Picknick ohne Grenzen"