14. September 2015
Geschrieben von

We don’t need no education

Bildung gegen Herrschaft

Der Begriff der Anarchie bezeichnet die Idee einer herrschaftsfreien und gewaltlosen Gesellschaft, in der Menschen ohne politischen Zwang (Macht) und Herrschaft gleichberechtigt und ohne Standesunterschiede miteinander leben und sich so frei entfalten können. Was hat die Schule damit zu tun?

Freiheit ist ein viel benutztes und missbrauchtes Wort. Alle nehmen es in Anspruch. Wirkliche Freiheit kann es aber im anarchistischen Konzept nur da geben, wo es keine Herrschaft von Menschen über Menschen gibt. Das bedeutet also auch die Abwesenheit von Staat, Kapital, Patriarchat, Rassismus und Imperialismus in jeder Form. Frei ist nur, wer über sich selbst – sein_ihr Leben, seinen_ihren Körper und Denken, unbevormundet selbst entscheiden kann.

Doch die Freiheit ist nicht die „Freiheit der Erwachsenen“. Kinder und Jugendliche sind in dieser Gesellschaft als schwächstes Glied der Willkürherrschaft der Familien und Erzieher_innen ausgesetzt. Weltweit sind Kinder als Spielball ihrer Eltern und als Opfer verfehlter Erwachsenenmachtpolitik die Leidtragenden einer autoritären und ausbeuterischen Gesellschaft und Bildung.

Bildung wider die Herrschaft

Millionen Schüler_innen fast weltweit gehen täglich ihrem gewohnten Alltagstrott nach.  Fast, da Bildung heute das Privileg reicher Industriestaaten zu sein scheint, die die Schule als Instution der Wissensvermittlung nutzen, um uns jenes selektierte Wissen zu Teil werden zu lassen.

Zweifel daran werden kaum geäußert, zu logisch scheint, dass das, was man jungen Menschen vorsetzt, richtig sein muss. Dies führt dazu, dass gemeinhin nicht nur die staatlich vorgegebenen Bildungsinhalte in ihren Grundfesten nicht angezweifelt werden, sondern dass auch die Schule als Institution im Allgemeinen bei Schüler_innen nie zum Objekt einer wirklichen Kritik wird, die über das typische „Schule ist Scheiße“ hinausgeht. Die eigentlichen pädagogischen Grundsteine der Schule bleiben unhinterfragt.

Anarchie in der Schule zu verwirklichen würde bedeuten, eine Zukunft und ein Bildungskonzept für Kinder und Jugendliche zu schaffen, das befreit ist von autoritärer Unterdrückung und Manipulation. Kinder sollen frei von Angst und Benachteiligung als ernstzunehmende Menschen aufwachsen und sich entfalten können.

In einer anarchistischen Idee von Bildung ist folglich ein subversives Element enthalten, das heißt, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse umgeworfen werden sollen. Sie zielt auf Selbstbestimmung und Mitbestimmung. Wenn in der Diskussion um die Bildung darüber verhandelt wird, was und wie der Mensch sein soll, dann muss ein Bildungsanspruch formuliert werden, der sich um individuelle Entscheidungsfreiheit, Urteilskraft und Kritikfähigkeit bemüht und resistent ist gegen von Außen herangetragene Zweck-Mittel-Vorstellungen. Der sich gegen jegliche Normalisierungszwänge wendet.

Natürlich hat die Bildungsidee als kritisches_anarchistisches Prinzip im Skript derzeitiger Bildungsplanung keinen Platz, sondern wird im tagespolitischen Geschäft anders benutzt. Verlangt wird nach funktionierenden Leistungsträger_innen, nicht nach kritischen Köpfen. So betonen die derzeitigen Bildungskonzepte einzig die Eingliederung des Individuums in die Gesellschaft, und die anerzogene Nützlich- und Brauchbarkeit. Forderungen nach wirklicher Bildung haben Freiheit zum Inhalt, sind emanzipatorischer Natur. Kritikfähigkeit und Urteilskraft müssen Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben werden.

Solche Räume werden in den maßgeblichen pädagogischen Anstalten der Schule und der Universität aber immer mehr beschnitten. Und darum sollten wir uns gerade die Bildung auf die Fahnen schreiben.

unbekannt / banksy Foto: unbekannt / banksy