Sprache schafft Bewusstsein

Sprache begegnet uns tagtäglich. Sie ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel, prägt unser Bewusstsein und beeinflusst unsere Gedankenwelt: Sprechen wir also nur in der männlichen* Form, denken wir auch nur an Männer*. Warum fällt es uns dennoch so schwer, eine Sprache zu wählen, mit der wir alle ansprechen?

Gendern – whats that?

Für eine gesellschaftliche Gleichstellung aller Geschlechter wollen wir natürlich irgendwo anfangen. Warum also nicht bei uns selbst? Ein ganz einfacher Schritt ist das Gendern, also die Wahl einer geschlechtergerechten Sprache. Reden wir beispielsweise von Schülern* und Schülerinnen*, dann gendern wir und erreichen somit die Sichtbarmachung von Frauen* in der Sprache. Bewusst entscheiden wir uns für eine gerechte Sprache und fangen damit an, unser eigenes Denken zu verändern, genauso wie wir unsere Zuhörer_innen zum Nachdenken anregen.

Warum Sprache keine Kleinigkeit ist

Im deutschen Sprachgebrauch ist es seit eh und je selbstverständlich vom generischen Maskulinum Gebrauch zu machen, also von der männlichen* Form für alle Geschlechter. Frauen* werden angeblich eh mitgedacht und mitgemeint. Jedoch ist in Wahrheit das genaue Gegenteil der Fall.

Diskriminierende Strukturen werden tagtäglich im Schreiben und Sprechen reproduziert. Dadurch schaffen wir in der Sprache dieselben Machtverhältnisse, die auch in der Gesellschaft vorhanden sind. Wir leben in einer Welt, in der Frauen* nur 1% des Weltvermögens besitzen und mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit einmal in ihrem Leben von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Es ist also kein Zufall, dass Frauen* auch in der Sprache unsichtbar gemacht und diskriminiert werden, sondern die Auswirkung eines strukturellen Problems.

Sprache transportiert nicht nur Bilder, sondern prägt auch unsere Vorstellungen von Geschlechterrollen: Sprechen wir immer nur von Chefs* und Sekretärinnen* haben wir sofort ein vorgefertigtes Bild in unseren Köpfen. Dabei fällt es schwer, zu erkennen, dass diese Berufe oft mit männlichen* beziehungsweise weiblichen* Rollenbildern assoziiert werden. Aber auch Frauen* können Chefinnen* sein, daher ist es wichtig auf eine geschlechtergerechte und sensible Formulierung zu achten.

Sprache hat Platz für alle

Die Verwendung einer bewussten und sensiblen Sprache bedeutet nicht nur die Sichtbarmachung von Frauen* in der Sprache, sondern auch von allen Menschen, die sich nicht in das Binäre Geschlechtersystem einordnen können oder wollen.

In der AKS wird daher vom sogenannten Gender Gap, also dem Unterstrich, Gebrauch gemacht. Anstatt von „Schülern“ zu sprechen, verwenden wir daher das Wort „Schüler_innen“. Dieser Underline soll aufzeigen, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt. Er soll Raum schaffen für alle Identitäten außerhalb, zwischen oder neben dem konventionellen Verständnis von „männlich“ und „weiblich“.

Um auch bei personenbezogenen Wörtern, die das Geschlecht ausdrücken, (zB bei Schülerinnen*, Väter* oder Frauen*) dieses Binäre Geschlechtersystem zu hinterfragen, wird hier ein Sternchen an’s Ende des Wortes gesetzt. Dieser Gender Star soll durch eine kleine Irritation beim Lesen daran erinnern, dass die Normvorstellung eines weißen, körperlich befähigten, cisgender Mädchens nicht auf alle Mädchen* zutrifft.

(Leitfaden zur Verwendung des Genderstars)

Häufige Gegenargumente

„Gendern stört den Lesefluss, ist unästhetisch und bringt nichts.“ – Aussagen wie diese sind bei der Diskussion um bewusste Sprache alltäglich. Ob geschlechtergerechte Sprache als „falsch“, mühsam und störend empfunden wird, hat viel mit Gewöhnung zu tun. Würden wir in der Schule bereits lernen, eine Sprache zu wählen, die alle anspricht, wären Wörter wie „Lehrer_innen“ nicht weiter irritierend und die Schreibweise „Frauen*“ gängige Norm.

„Ich brauche keine geschlechtergerechte Sprache, ich werde auch so mitgedacht.“ – Aktuelle Studien belegen, dass wenn in einem Text von Experten, Ärzten und Chefs die Rede ist, sich Leser_innen fast ausschließlich männliche* Expert_innen, Ärzt_innen und Chef_innen vorstellen. Doch nicht nur bei traditionell männer*dominierten Berufen ist dies der Fall, auch bei sogenannten „Frauen*berufen“ hatten Leser_innen meist Männer* vor Augen. Es ist demnach keineswegs so, dass Frauen* mitgedacht werden.

„Die gegenderte Form ist viel zu lange, dafür hab ich doch keine Zeit.“ – Auch das Argument der Länge findet sich sehr oft in der Diskussion zu geschlechtergerechter Sprache wieder. Eine Form kann jedoch gar nicht lange genug sein um alle Menschen gleichermaßen zu berechtigen, respektieren und sichtbar zu machen und jeder Person, unabhängig ihres Geschlechtes, auch dieses Gefühl zu geben.

Eine sensible und bewusste Sprache kann Vorurteile und Barrieren aufbrechen und könnte ein erster Schritt sein in Richtung einer gleichberechtigten Welt. Wenn wir damit beginnen unsere eigenen Gedanken und Handlungen von Sexismus und Vorurteilen zu befreien, können wir diese Grundvoraussetzungen für Gleichberechtigung auch auf unser soziales Umfeld auslegen.

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