15. Juni 2021
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Bildungsminister oder AHS-Minister?

Wenn wir uns rückblickend das letzte Jahr ansehen, das von der Corona-Pandemie gezeichnet wurde, fällt eines auf: AHS‘n scheinen die Hauptbetroffenen während der Corona-Krise gewesen zu sein. Aber wo bleiben die BMHS‘n? Wieso standen und stehen immer nur die AHS’n im Fokus und wieso gibt es mehr Erleichterungen an AHS’n als an BMHS’n? Diesen Fragen sind wir nachgegangen und haben BMHS Schüler_innenvertretungen nach ihren Meinungen, Erfahrungen und Ängsten gefragt.

Schularbeiten

Am Anfang dieses Jahres gab es eine Erleichterung, die viele Schüler_innen beruhigte. Doch leider konnte diese nur AHS Schüler_innen beruhigen. Jene Erleichterung besagt, dass pro Hauptfach nur eine Schularbeit im Semester geschrieben werden darf. Wie vorhin schon angekündigt worden ist, ist das für Schüler_innen einer AHS eine große Erleichterung, aber für Schüler_innen einer BMHS nicht. Denn für Schüler_innen einer BMHS verändert diese Regelung nichts an der normalen Situation.

In BMHS’n wird prinzipiell nur eine Schularbeit pro Hauptfach geschrieben, wobei es bis zu neun Hauptfächer geben kann. Somit bringt diese Regelung BMHS’n nichts und die Schüler_innen werden erneut benachteiligt. So äußert sich auch eine BMHS-Schülerin: „Die Schule wird für Schülerinnen und Schüler einer BMHS nicht entsprechend an die Situation angepasst.“

 

Praxisunterricht und Praxisprüfungen

Doch nicht nur bei den Beurteilungen wurden BMHS’n benachteiligt, sie wurden sogar einem immensen Infektionsgeschehen ausgesetzt. Denn als die Schulen im Herbst ein zweites Mal zugesperrt wurden, lag kein ausreichend ausgearbeitetes Konzept für die Weiter- bzw. Durchführung des Praxisunterrichts in den verschiedenen BMHS-Typen vor. Praxisunterricht, welcher vor allem in HLWs, HLTs und HTLs einen großen Teil des Stundenplans ausmacht, sollten in Präsenz weitergeführt werden, trotz rekordhaft hohen Infektionszahlen und trotz eines bundesweiten Lockdowns.

Viele Schüler_innen konnten diese Entscheidung nicht nachvollziehen und waren enttäuscht, dass das Bildungsministerium ihre Gesundheit als zweitrangig ansieht.

Aber nicht nur bei dem Praxisunterricht wurden BMHS Schüler_innen benachteiligt, sondern auch bei unseren Abschlussprüfungen.

„Ewig hat niemand etwas zu unseren praktischen Prüfungen gesagt, da es einfach nie richtig Thema war und wir generell immer außen vorgelassen werden und schon fast darum kämpfen müssen, dass mensch uns neben der Matura nicht vergisst.“

Während in AHS’n beispielsweise die Themenkörbe der mündlichen Matura um 1/3 der Themen reduziert werden konnten, gab es dieses Angebot in BMHS’n nicht. Während AHS’n umsorgt wurden, wurden BMHS’n vergessen.

 

VWA und Diplomarbeit

Wohingegen viele Maturant_innen einer AHS erleichtert aufseufzten, als sie erfuhren, dass der Abgabetermin der VWA zwei Wochen nach hinten verschoben wird, blickten Maturant_innen einer BHS schon wieder durch die Finger.

Denn während die Verschiebung der VWA, die Abschlussarbeit an einer AHS, sehr stark kommuniziert wurde, in Pressekonferenzen ausführlich die weiteren Schritte der VWA erklärt wurden, war die Verschiebung der Diplomarbeit, die Abschlussarbeit an einer BHS, kein großes Thema. Denn das Bildungsministerium fand, dass die automatische Verschiebung der Diplomarbeiten durch das Verschieben der Klausurprüfungen schon genug kommuniziert wurde. Dass das leider nicht bei allen Schüler_innen einer BHS ankam, ist schade, aber nicht weiter verwunderlich.

 

Fazit

„Ich habe das Gefühl, dass dem Ministerium die Schüler und Schülerinnen einer AHS mehr Wert sind als die Schüler_innen einer BMHS, doch dies darf nicht so weiter gehen!“, führt Hakki Oguzhan Ilgec, Schulsprecher der HAK/HAS Lustenau, aus.

Dieses Zitat erklärt wohl recht gut wie wir BMHS Schüler_innen uns gerade fühlen. Wir fühlen uns im Stich gelassen, wollen endlich die Anerkennung, die wir verdient haben und wollen, dass unsere Schulsituation die Entscheidungsträger_innen im Bildungsministerium erreichen. Uns BMHS Schüler_innen ist es wichtig, dass wir nicht mehr ignoriert werden, dass unsere Bedürfnisse beachtet werden und dass wir endlich als gleich wichtig wahrgenommen werden wie AHS Schüler_innen.

Anne Urbanek Foto: Anne Urbanek
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