20. Juni 2020
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Wenn ich groß bin, werd‘ ich mal Humankapital

"Mir war das Öffnen der Schulen ein tiefes Anliegen, damit es nicht zu einem Humankapitalverlust großen Ausmaßes kommt." - ein persönlicher Nachtrag zum Zitat vom Bildungsminister Faßmann

Die aktuelle Corona-Krise hat Probleme verstärkt sichtbar gemacht, die schon länger da waren.
Digitalisierung ist gut und recht, nützt leider nicht viel, wenn nicht alle Schüler*innen Zugang zu Laptops und W-LAN haben. Die Kluft zwischen Arm und Reich, und die damit einhergehende soziale Selektion, wächst – auch in den Schulen. Inklusive Bildung? Laut Expert*innen weit davon entfernt und mentale Gesundheit? Für das verantwortliche Bildungsministerium: Zweit (-eher dritt-, oder viert) rangig! Aber solang eine Matura stattfindet und die Leistung passt, ist alles in Ordnung.
Das vor kurzem gefallene Zitat seitens des Bildungsminister im Ö1 Morgenjournal hat wieder einmal klar gezeigt, was aus der Sicht der aktuellen Regierung die Aufgabe der Bildung ist: Schüler*innen alleinig als Ressource der Wirtschaft, der große Traum – Profit!

Natürlich ist Bildungsökonomisierung nichts Neues: Aber in einer Krisenzeit wie dieser nur an Wirtschaft und nicht auch an das Wohlbefinden der Schüler*innen, an Menschen, zu denken, ist eine Dreistigkeit!

Da sprechen Zahlen von Rat auf Draht während Covid-19, nur um ein Beispiel zu nennen, Bände:
– 240% mehr Anfragen zu Schlafproblemen
– 146% mehr zu Panikattacken/ Depressionen
– 54% mehr zu Suizidgedanken und Autoaggression, wie Ritzen
– und 88% mehr zu physischer Gewalt in der Familie

Wäre die Aufgabe von Bildung nicht die persönliche Entfaltung aller Schüler*innen? Die Gesellschaft von morgen zu einer besseren zu machen? Verantwortungsvolle Träger*innen der Gesellschaft zu bilden?

‚‚Hauptsache der Wirtschaft geht es gut’’, ist aber anscheinend das Motto der jetzigen Regierung.

Wann werden Faßmann und Co. endlich herausfinden, dass Kinder mehr als nur eine Ressource, mehr als nur Humankapital isind? Diese Frage bleibt wohl offen.

Wie Bildung auch aussehen könnte, kannst du übrigens bei der Aktion kritischer Schüler_innen (@aks_at) herausfinden!

Alexandra Seybal Foto: Alexandra Seybal