7. Juni 2019
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#SCHULEBRENNT

Warum Österreichs Schulen Feuer fangen.

#schulebrennt ist eine neue Kampagne für mehr Umweltbewusstsein im österreichischen Bildungssystem. Aber was steckt dahinter? Ein Interview mit der Mitinitiatorin und AKS Bundesvorsitzenden Sara Velic.

Was oder wer ist #schulebrennt?

#schulebrennt ist eine Kampagne der Aktion kritischer Schüler_innen im Hinblick auf die Wahlen der Landes- und Bundesschüler_innenvertretung 2019/20. Diese finden wie jedes Jahr zum Schuljahresende statt und auch wir, die AKS, kandidieren in jedem Bundesland für die überschulische Vertretung der 1.2 Millionen Schüler_innen Österreichs. Mit #schulebrennt  wollen wir auf die absurde Ignoranz bezüglich des Klimawandels aufmerksam machen. Diese Ignoranz ist nämlich nicht nur bei einigen Politiker_innen zu sehen, sondern wird von der Politik leider auch ins Schulsystem projiziert. Der Name „Schule brennt“ soll auch eine Anspielung auf eine der größten Widerstandsbewegungen der 2000er unter den Studierenden („Uni brennt“) sein, denn auch wir Schüler_innen brennen für gerechte Bildungspolitik! Als progressive Schüler_innenorganisation können und wollen wir dem Nicht-handeln nicht schweigend zusehen, sondern nehmen die Bewusstseinsbildung für Klimaschutz selbst in die Hand. Denn, wenn wir jetzt nichts machen, dann brennen die Schulen bald wortwörtlich.

 

Was sind die Forderungspunkte von #schulebrennt?

Unsere Forderungen richten sich zunächst ganz klar an die Politik – Klimawandel ist kein individuelles Problem, welches von Individuen gelöst werden kann. Klimawandel betrifft jede Gesellschaft, jede Kultur, jede Natur, jede Tierart, jeden Konzern und jede Regierung. Niemand kann sich hier herausnehmen, aber dennoch fehlt hier bei zu vielen Beteiligten das Bewusstsein und oftmals auch die Aufklärung darüber. Deshalb sagen wir als Schüler_innenorganisation, dass diese kritische Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und den verantwortlichen des Klimawandels auf jeden Fall in den Unterricht gehört und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden muss, dass nicht Maya und ihre Klassenkolleg_innen schuld am Klimawandel sind, weil sie nicht vegan leben, sondern unser aktuelles Gesellschafts- und Wirtschaftssystem die Grenzen der Umwelt maßlos überschreiten.

Auch darf die Politik uns Schüler_innen nicht daran hindern, auf die Straßen zu gehen und genau diese Bewusstseinsbildung voranzutreiben. Wir warten noch immer auf eine verantwortungsvolle Reaktion der Bundesschüler_innenvertretung bezüglich des Erlasses des Bildungsministers, dass der Besuch von „Fridays For Future“-Demonstrationen nicht mehr entschuldigt werden darf. Wie kann sich die BSV fett Vertretung auf die Stirn schreiben und dann mit keinem Wort für die hunderttausenden demonstrierenden Schüler_innen allein in Österreich einstehen? Da wir bei unserer Interessensvertretung momentan keinen Schutz finden können, richten wir uns auch da ans Gesetz: Wir fordern nämlich Streik- und Demonstrationsbesuche als geltenden Entschuldigungsgrund in Schulen, Lehrbetrieben und Praktikumsstellen. In einem Rechtsstaat, in dem eine klare Meinungsfreiheit herrscht, sollte niemand Konsequenzen spüren müssen, wenn er_sie von diesem Recht Gebrauch macht.

 

Und wird laut deinen Vermutungen die Politik darauf reagieren?

Das Problem ist ja, dass die Politik bisher kaum oder zu wenig reagiert. Natürlich werden wir unser Bestes geben, dass #schulebrennt keinem_keiner Politiker_in ein Fremdwort ist und führen Gespräche mit vielen Politiker_innen, NGOs und Interessensvertretungen, wie beispielsweise der Bundesjugendvertretung, in dessen Vorstand wir auch vertreten sind. Jedoch dauern politische Prozesse bekanntlich sehr lange, meistens länger als der Hauptschul- oder Oberstufenbesuch einer Schülerin* und daher haben wir auch Forderungen bezüglich klimafreundlichem Schulleben im Unterricht, im Schulgebäude und in der Schulkantine. Dabei ist uns vor allem wichtig, dass Schulen weg von der Abhängigkeit von Plastik und dem Konsum von Großkonzernprodukten kommen und auf regionale, nachhaltige und recyclebare Alternativen setzen. Nestle und Co. müssen raus aus dem Schulautomaten und Schulessen. Trotzdem müssen diese Alternativen fair und leistbar für alle Schüler_innen und alle Familien bleiben, denn Umweltschutz darf kein Privileg der Reichen bleiben. Hier ist es an der Zeit, auf neue Ideen zu kommen, wie Schule sozial gerecht gestaltet werden kann. Eine Schule kann nämlich nur sozial gerecht für alle sein, wenn sie weder Umwelt noch Mensch ausnutzt.
Schlussendlich müssen auch hier bundesweit einheitliche Regelungen her, aber bis dahin, wollen wir jetzt schon Umbruchstimmung in den Schulen schaffen und mit Aussendungen und Besuchen mit Schulleitungen, Elternvereinen und Schüler_innenvertretungen das Ganze schneller ankurbeln.

 

Was könnten AKS Mandatar_innen in der LSV und BSV daran ändern?

Unser Ziel ist es mit #schulebrennt das Thema Klimawandel in die Bildungspolitik zu bringen – und dazu gehören auch die LSV und BSV. Wir haben gesehen, dass die aktuelle BSV sich nicht sonderlich darum schert, die Schuldigen des Klimawandels aufzuzeigen und was dagegen zu unternehmen, nicht mal wenn hunderttausende Schüler_innen dafür auf die Straßen gehen. Das ist für uns weder verantwortungsbewusste Vertretungsarbeit noch verantwortungsbewusste Klimapolitik. Als LSV und BSV werden wir noch gezieltere und intensivere Gespräche mit den Bildungsdirektionen und dem Bildungsministerium starten. Als LSV und BSV werden wir in allen Ausschüssen dafür kämpfen, dass Schüler_innen ohne negative Konsequenzen demonstrieren dürfen und dann auch gehört und ernst genommen werden.
Als LSV und BSV werden wir auch abgesehen von #schulebrennt kritische Vertretungsarbeit leisten und für ALLE Anliegen der österreichischen Schüler_innenschaft einstehen, auch wenn die Bundesregierung das anders sehen sollte. Dieses Schuljahr sind unzählig viele kontroverse Verordnungen im Bildungsbereich durchgekommen, siehe Kopftuchverbot, Ziffernoten in der Volksschule, zurückkommende Leistungsgruppen in den Mittelschulen, … und die Bundesschüler_innenvertretung hat über all diese Veränderungen hinweg geschwiegen! So sieht keine Vertretungsarbeit aus. Denn die LSV und BSV wird dazu gewählt, ein Sprachrohr und eine Vertretung für die Schüler_innen in der Politik zu sein und nicht umgekehrt.

schule brennt Titelbild Foto: schule brennt Titelbild