26. Mai 2018
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Die geschlossene Klasse – Ein offener Brief

Deutschklassen für Kinder mit „zu geringem Sprachniveau“- so wird das nicht-integrationsfördernde Klassensystem der neuen, schwarz-blauen, Regierung für Kinder aus Fluchtgebieten beschrieben.
Von Chancenungerechtigkeit bis zur Entwicklung einer Parallelgesellschaft bringt dieses System viele Nachteile mit sich.

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Heinz Faßmann!

Ich konnte in den Medien verschiedenste Meinungen zu ihrer Bildungspolitik lesen. Die Meinungen gehen weit auseinander. Einige sind der Ansicht, dass die Einführung von Deutschklassen für alle Beteiligten effizient ist. Ich bin vom Gegenteil überzeugt: Die getrennten Deutschlkassen bringen viele negative Folgen mit sich. Von einer Lernbeeinträchtigung der österreichischen Schüler_innen bis zur gescheiterten Integration. Ich, als politisch aktive Schülerin*, bin von Ihren Plänen schockiert, da sie genau das Gegenteil von Integration bewirken. Eine Parallelgesellschaft und eine Chancenungerechtigkeit sind hier die wahrscheinlichsten Folgen.

Durch schlechte Ergebnisse bei Aufnahmetests die zur Überprüfung der Deutschkenntnisse dienen, kann es zur weiteren Diskriminierung kommen und Kinder, die nicht Deutsch als Erstprache haben, erleben eine Negativerfahrung. Separate Deutschklassen werden von der Wissenschaft nicht befürwortet, da ein gemeinsames Lernen von Sprachen effizienter ist. Erfolgt die Trennung trotzdem, entstehen Unterschiede und es kann zur vollkommenen Segregation innerhalb der Gesellschaft kommen. Laut der Eltern-und-Schüler_innen-Plattform „Leistung und Vielfalt“ kann ein gemeinsamer Unterricht erfolgreich sein, wenn die Anzahl der Schüler_innen mit geringen Sprachkenntnissen niedrig ist. Widersprüchlicherweise ist der Klubobmann einer Regierungspartei Johann Gudenus (FPÖ) der Meinung, dass österreichische Kinder durch Kinder mit geringen Deutschkenntnissen in ihrem Lernfortschritt beeinträchtigt werden.

Der Plan der separaten Deutschklassen bringt viele Nachteile mit sich. Es werden Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen von ihren gleichaltrigen Mitschüler_innen getrennt. Im Werk-, Turn- und Zeichenunterricht hätten sie jedoch die Möglichkeit, ihre Zeit miteinander zu verbringen. Geplant wäre dadurch eine Verbesserung der Deutschkenntnisse.

Ebenfalls beurteilt die Schulleitung das Sprachdefizit der Kinder und falls ein solches auffällt, müssen sie die Deutschklasse besuchen. Dieses Sprachdefizit wird jedoch von Person zu Person anders beurteilt. Vor kurzem geflüchtete Kinder hatten keine Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen. Für die Schüler_innen war das nicht der letzte Test, sie müssen nämlich jedes Semester eine Überprüfung absolvieren. Bei einem positiven Ergebnis erfolgt ein Wechsel. Erfolgt dieser Wechsel zu oft oder in einer kurzen Zeitspanne, fällt es den wechselnden Schüler_innen schwer, sich in die neue Klasse einzuleben. Sie lassen bekannte Mitschüler_innen und Lehrpersonen hinter sich und kommen in ein unbekanntes Umfeld. Da sich diese Feststellungsprüfung nur auf das Fach Deutsch konzentriert, werden Schwächen in anderen Fächern nicht berücksichtigt und die Schüler_innen können in anderen Gegenständen überfordert sein, da diese nicht ihrem Niveau entsprechen.

Mit diesem offenen Brief appelliere ich an Sie, sehr geehrter Herr Bildungsminister Heinz Faßmann, Ihr Vorhaben nochmals zu überdenken. Um einen Erfolg bei der Integration von geflüchteten Kindern zu erzielen, ist eine deutschsprachige Umgebung ratsam, um die Sprachmelodie und die Wortwahl  kennenzulernen. Den Lernenden wird dies durch ihre Maßnahmen nur sehr bedingt ermöglicht. Gemischte Klassen sind von Vorteil, wir  möchten Vielfalt leben und voneinander lernen.

Mit freundlichen Grüßen

Jasmin Naghmouchi, BG/BRG St. Pölten, Niederösterreich

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