20. März 2017
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„So gehst du mir aber nicht in die Schule!“

Draußen hat es 38 Grad, drinnen nicht viel weniger und trotzdem sitzen die Mädchen* mit langen Hosen und T-Shirts in der Schule. Warum? Weil es ihnen die Kleidungsvorschrift befiehlt, um die Burschen und Lehrer nicht abzulenken.

Schuluniformen sind ein viel diskutiertes Thema im Schulunterricht, fast jede_r Schüler_in musste schon mal einen Aufsatz über die Pros und Kontras von Schuluniformen schreiben. Worüber wir jedoch nie reden sind die Kleidungsvorschriften die für Mädchen* in der Schule gelten. Regeln auf die sie auf meist unangenehme Art und Weise hingewiesen werden. "Die Hose ist zu kurz für die Schule" und "Das lenkt die Burschen ab" sind Aussagen die sehr viele Schülerinnen* schon mal gehört haben.

Auch bei uns in Österreich werden Mädchen* und Burschen* unterschiedlich erzogen. Mädchen* müssen immer nett und lieb sein, nicht zu laut und sollten nachts nicht alleine unterwegs sein. Einen großen Punkt in dieser geschlechtsspezifischen Erziehung stellt die Kleidung dar. Von klein auf wird Mädchen* gesagt wie sie sich anzuziehen zuhaben, und zwar so dass sie möglichst wenig Haut zeigen, denn kurze Hosen und Träger Tops lenken Burschen zu sehr ab um sich in der Schule konzentrieren zu können.

Manche Schulen gehen sogar so weit, dass sie festlegen, wie kurz ein Rock oder Kleid maximal zu sein hat.

Junge Mädchen* lernen also, dass sie sich verhüllen und ihre Körper verstecken müssen damit Burschen sich konzentrieren können. In diesem System muss sich die Frau* dem Mann anpassen, anstatt dass jungen Buben beigebracht wird, dass Mädchen* keine Sexualobjekte sind. Männern wird die Eigenschaft zugeschrieben sich nicht zurückhalten zu können, sobald ein Mädchen* nackte Haut zeigt oder ein enges T-Shirt anhat. Genau solche überholte Stereotype gilt es aufzubrechen und jungen Burschen beizubringen, dass z.B. nackte Schultern keine Ablenkung sind.

Kleidungsvorschriften international

Kleidungsvorschriften sind von Land zu Land unterschiedlich, so gibt es in Österreich zum Beispiel keine einheitliche Vorschrift. Öffentliche Schulen stellen die Regeln selbst auf, in einigen österreichischen Privatschulen ist einheitliche Schulkleidung vorgeschrieben, oder das Tragen einer Schuluniform Pflicht und sind in der Hausordnung der Schule vorzufinden.

In den meisten europäischen Ländern gibt es ebenfalls keine Uniformsplicht oder Einheitskleidung.

In England herrschen jedoch strenge Regeln was die Kleidung in der Schule betrifft. An den Schulen an denen es keine Schuluniform gibt, müssen die Schüler*innen einheitliche Schulkleidung tragen (z.B.: blaue Hose / blauer Rock, weiße Bluse / weißes Hemd, …)

Auch in Irland, Schottland, Japan, China und Australien sind die Schüler*innen dazu verpflichtet Uniform zu tragen.

In nordamerikanischen Schulen gibt es meist einen Dress Code der beachtet werden muss (z.B.: Schultern müssen bedeckt sein, keine zu engen T-Shirts, …). Außerdem gab es schon einige Zwischenfälle bei denen Schülerinnen* ihren eigenen Schulball nicht besuchen durften, nur weil sie einen Anzug und kein Kleid trugen.

Die meisten Schulen Mittel- und Südamerikas verpflichten die Schüler*innen Einheitskleidung oder Schuluniformen zu tragen, um Mobbing wegen finanziellen Differenzen zu vermeiden.

Russland führte 2003 die Uniformsplicht wieder ein, was für sehr viel Diskussion sorgte.

Ein Land, dass die Schuluniform hingegen vor kurzem abschaffte ist die Türkei. Seit 2013 ist Einheitskleidung keine Pflicht mehr, allerdings gibt es strenge Regeln was die Schüler*innen nicht anziehen dürfen (z.B.: keine engen oder durchsichtigen Kleidungsstücke, nur lange Ärmel, …)

Uniformen für Mädchen* bestehen zum Großteil nur aus Röcken und Blusen oder Kleidern. Das ist zwar ganz schön, auf Dauer jedoch eher unpraktisch. Hosen sind oft angenehmer und praktischer als Röcke und Kleider und bieten gerade im Winter mehr Schutz gegen Kälte und Unwetter. Außerdem wollen nicht alle Schülerinnen* Röcke und Kleider tragen, sie werden dazu gezwungen täglich etwas anzuziehen, in dem sie sich nicht wohlfühlen.

 Not A Distraction

NOT A DISTraction

2015 kam es in einer Schule in South Carolina zu einer besonderen Form von Protest. Weil immer wieder Schülerinnen* auf unangenehme Weise darauf hingewiesen wurden, dass sie sich zu freizügig kleideten oder sogar aus dem Unterricht geschickt wurden, um sich umzuziehen, startete Reece Fischer einen Protest. Inspiriert von Nathaniel Hawthornes Werk „Der scharlachrote Buchstabe“ trugen die Schülerinnen* T-Shirts mit der Aufschrift „Not A Distraction“, wobei das A rot geschrieben war. Die Aktion erlangte viel Aufmerksamkeit und schaffte es sogar in die Medien. Die Schule erklärte sich dazu bereit den Umgang mit den Kleidervorschriften zu überarbeiten und verbessern.

Die Schule nimmt Mädchen* ihre Selbstbestimmung und sagt ihnen, das sie sich „falsch“ kleiden. Es wird den Schülerinnen* beigebracht sich so wenig freizügig wie möglich zu kleiden, anstatt das Schülern* beigebracht wird, dass es egal wie wenig ein Mädchen* anhat, es immer noch ein Mensch und kein Sexobjekt ist.

Zum Glück gibt es aber mutige junge Menschen die sich den Kleidungsvorschriften stellen und gemeinsam können wir den sexistischen Regeln ein Ende setzen.

KLeidung Schule Foto: KLeidung Schule