8. Februar 2017
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Wer hat Angst vor meiner Meinung?

Wenn es verschiedene Ansichten gibt, wird das am besten gemeinsam ausdiskutiert. Schwierig wird es, wenn eine Autoritätsperson im Spiel ist, die entscheidet, welche Note schlussendlich im Zeugnis steht. Dann kann die eigene Meinung zum Verhängnis werden.

Zunächst einmal ist zwischen zwei grundsätzlichen Fällen zu unterscheiden, bei denen die eigene Meinung in der Schule eine Rolle spielen kann: Die Lehrperson ist persönlich der Meinung, dass die Leistung der Schülerin* beziehungsweise des Schülers* nicht ausreichend war oder die Schülerin* vertritt Ansichten, die der Lehrperson nicht passen. Beides kann im schlimmsten Fall zu einer nicht gerechtfertigten, schlechteren Note führen.

Subjektivität gibt es auf beiden Seiten

Nehmen wir an, Schülerin* A zeichnet für Bildnerische Erziehung mit Bleistift eine malerische Seenlandschaft. All ihre Klassenkolleg_innen  zeigen sich begeistert von ihren Zeichenkünsten und demnach bekam sie in den vergangenen drei Jahren auch durchgehend ein Sehr Gut. Wäre da nicht die neue Lehrperson, die eher angetan von der Kreativität von Schülerin* B ist, die ihr Glück selbst kaum fassen kann, so wenig Mühe wie sie sich eigentlich gegeben hat. Solche unangenehme Situationen können vor allem auch in Deutsch vorkommen.

Guter Text oder nur richtige Meinung?

Persönliche Schreibstile sind genauso kaum objektiv bewertbar wie Präferenzen und Geschmack in der Kunst. Bei Textsorten wie dem Kommentar oder der Meinungsrede sind die Meinungen der Autor_innen sogar gefragt, wodurch noch ein weiterer Aspekt hinzukommt: Inwiefern stimmt meine Meinung mit der meiner Lehrperson überein? Das kann vor allem für schulbekannte, politisch aktive Menschen ärgerlich sein. Allen Beteiligten sollte klar sein, dass das keine Auswirkungen auf die Note haben darf, allerdings ist es leider auch klar, dass dies nicht immer der Fall ist.

Was du machen kannst

Wenn du dich bei deiner Deutsch-Professorin* über unfaire Benotung beklagst, wirst du wohl meistens zu hören bekommen, dass sehr wohl bewertet wird, wie gut ein Argument ausformuliert und wie stichhaltig es ist. Falls du dich regelmäßig benachteiligt fühlst, kannst du beispielsweise auch andere Lehrpersonen bitten, den Text ebenfalls zu korrigieren. Das ändert zwar an der konkreten Note der Schularbeit wenig, aber wenn sich immer wieder unterschiedliche Bewertungen ergeben, kannst du das der zu kritisierenden Lehrpersonen vorhalten und so Druck erzeugen. (Im Ernstfall kannst du auch zur Direktion gehen und dort darüber sprechen, bedenke aber: dadurch riskierst du den Unmut deiner Lehrperson. Sollte das immer noch nicht greifen, gibt es auch die Möglichkeit offiziell Beschwerde einzulegen, dann muss es jedoch eindeutig sein, ob eine Benachteiligung oder Diskriminierung vorliegt.)

Zensur in Schulzeitungen

Besondere Probleme ergeben sich bei Schüler_innenzeitungen. In manchen Schulen werden Zeitungen im Rahmen eines eigenständigen Unterrichtsfaches und somit unter Betreuung von Lehrpersonen gestaltet. Wie kritisch Redakteur_innen unter Aufsicht von Autoritätspersonen sein können, ist fragwürdig. Ein Irrglaube ist allerdings, dass von Schüler_innen geschriebene Zeitungen von Schulpersonal korrekturgelesen werden müssen. So kann es beispielsweise passieren, dass heikle Passagen eines Interviews mit der Schulleitung ohne Absprache mit der Redaktion zensiert werden, wie in meiner Schule geschehen. So etwas ist schlicht und einfach ein Einschnitt in die, auch innerhalb der Schule geltende, Pressefreiheit.

Jede Meinung zählt

Es ist traurig, dass heutzutage immer noch Schüler_innen aufgrund von unterschiedlichen Meinungen oder auch einfach nur wegen persönlichen Präferenzen schikaniert beziehungsweise bevorzugt werden. Niemand sollte Angst davor haben, seine_ihre Meinung kundzutun. Alle Lehrpersonen sind dazu verpflichtet, die Leistungen ihrer Klassen objektiv und unabhängig voneinander zu benoten, individuelle Faktoren komplett auszublenden gelingt hingegen nur den Besten.

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