23. November 2016
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„S“ wie Sex oder Schule

Was hat Sex mit Schule zu tun? Ah.. ja – Aufklärungsunterricht! Gibt’s das? Gab’s das? Wie war das? In Österreichs Schulen spielt Aufklärung (und nicht die Literaturepoche) doch, zumindest einmal in Biologie, eine Rolle. Was daran alles nicht so passt, wird in diesem Artikel erläutert.

Psssst!

Ob im Fernsehen, in Zeitungen, Social Media Plattformen oder einfach draußen auf Plakaten – dass es so etwas wie „Sex“ gibt, fällt doch den meisten schon recht früh auf. In der bildungspolitischen Debatte sind sich viele Beteiligten nicht ganz einig: Hat Sexualerziehung was mit Schule zu tun oder sollten das nicht lieber die Eltern daheim erledigen?

Fakt ist, dass das Gesetz vorsieht, Schüler_innen zu „verantwortungsbewussten Gliedern der Gesellschaft“ zu machen. Wie das passiert, ist in den meisten Schulen Österreichs real leider noch ganz unterschiedlich. Für viele zählt das Thema „Sex“ und somit auch „Verhütung“ und die Thematisierung von unterschiedlichen (A-)Sexualitäten und Identitäten dazu, für viele aber auch nicht. Nicht nur  Sex an sich, auch Abtreibung oder Verhütungsmittel – diese Themen sind nach wie vor Tabuthemen, die in der Schule weniger Platz haben als ihnen eigentlich zustehen sollte.

 

Warum?

Schüler_innen reden in der Schule über Sex. Egal, ob es unterschwellig in irgendwelchem Lernmaterial vorkommt oder ob sie im Gang Gesprächsfetzen älterer Schüler_innen aufschnappen. Die Aufgabe der Schule ist es eben, Schüler_innen zu zeigen, dass dies ein Thema ist, über das geredet werden darf. Nur so kann sichergestellt werden, dass Jugendliche „verantwortungsbewusste“ Teile unserer Gesellschaft werden.
Verantwortung heißt nicht nur über Verhütungsmittel informiert zu sein, sondern auch Mitschüler_innen, die Unterstützung brauchen, zur Seite zu stehen. Sensibilität, „No means No“ und Formen von Sexualität, die sich außerhalb des altbekannten heteronormativen Horizonts befinden, Raum zu geben. Schüler_innen sollten die Möglichkeit bekommen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, ganz unabhängig von der Einstellung der Eltern.

 

Die* ist schwanger – selber schuld!

Spätestens in der Oberstufe lernen wir diese Art von „Gossip“ kennen. In einem Zeitalter, in dem es so viele verschiedene Möglichkeiten und, oberflächlich betrachtet, auch Zugänge zu Verhütung gibt, sind solche Menschen doch einfach nur „dumm“ und ihnen ist ihr „eigenes Leben“ egal. Naja – das ist schon der springende Punkt. Es ist ihr „eigenes“ Leben, also geht es all jene rundherum, die glauben, die Lebensweisen der anderen beurteilen zu können, doch recht wenig an. Dass Schwangerschaften die Folge von zu wenig Aufklärungsarbeit und offenen Zugängen zu Verhütungsmitteln ist, wird in dieser Art von „Klatsch und Tratsch“ eher wenig thematisiert. Vorurteile sind schneller verbreitet als eigene Aussagen überdacht und reflektiert.

 

Was heißt das jetzt?

Das heißt, dass Aufklärungsunterricht nicht nur gezwungenerweise einmal Gegenstand von Biologie sein sollte. Das heißt, dass Aufklärungsunterricht unsere Persönlichkeit grundlegend verändern kann. Das heißt, dass wir ein Recht haben sollten, informiert zu werden und unsere Diskussionen und Fragen ernst zu nehmen sind. Unterrichtsinhalte müssen an das 21. Jahrhundert angepasst, Rollenbilder aufgebrochen und geschlechtersensible Ausbildung von Lehrpersonen finanziert werden.

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