14. Oktober 2016
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Warum alle wegschauen

Von der Schule wird behauptet, dass sie uns auf das spätere Leben vorbereiten soll. Sie soll uns den Grundbaustein einer Ausbildung bieten. Doch sind wir wirklich auf das Leben da draußen vorbereitet, nur, weil wir Wahrscheinlichkeitsrechnungen, Textanalysen und einen Blog auf Englisch schreiben können?

Zu unserer Ausbildung, die auf Mathematik, Deutsch und Englisch und weitere inhaltliche Fächer fokussiert ist, gehört eigentlich ebenso soziale Kompetenz, die in unserem Bildungssystem nur wenig bis gar keinen Platz findet. Unser Schulsystem drillt uns auf Leistung und Konformität, zielt darauf ab, so schnell wie möglich Erfolge zu liefern und so langsam als möglich eigene Meinungen zu vertreten. Das alles führt zu Unselbstständigkeit, deren wir immer und immer wieder verfallen. Wir haben verlernt, alleine zu denken, denn denken heißt Meinungen zu bilden, die in der Schule meist belächelt oder erst gar nicht wahrgenommen werden, wir haben verlernt lustig zu sein, denn unser Humor verwechselt oftmals fair mit unfair und gut mit böse – und baut dadurch vor allem auf das Herabschauen und lächerlich Machen von Schwächeren auf. Wir haben verlernt, was es bedeutet, anderen Menschen zu helfen.

Schweigende Gesichter anstatt lautem Protest

In der Schule ist nicht nur der stetig steigende Leistungsdruck ein Problem, sondern auch der fehlende Mut. Mut sich aus der Einheit zu befreien und für Menschen einzustehen, die Hilfe brauchen. Mal was zu tun, das vielleicht nicht jede*r getan hätte. Gerade hinter dem Schultor, wo wir auf das Leben vorbereitet werden sollten, verstecken sich die größten Ungerechtigkeiten. Lehrpersonen, die eine*n auf Hautfarbe oder Religion reduzieren, Schüler*innen, die eine*n auf Grund seiner*ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren und sich über „abnormale“ Identitäten und Verhaltensweisen lustig machen und der Rest, der sich leise hinter den Bänken versteckt und schweigend zusieht.

In Befragungen behauptet jede*r Zweite in solchen Situationen Zivilcourage zu zeigen und die Täter*innen zur Rechenschaft zu ziehen, doch die Realität sieht anders aus. Wie Menschen handeln, hat also oft nicht viel mit dem zu tun, was sie sagen. Es wurde zur Gewohnheit einfach nichts zu tun – es den anderen gleich nachzumachen und abzuwarten was als nächstes passiert. Doch in den meisten Fällen passiert eben nichts und genau das ist das Problem.

Was nicht gelernt wird, wird nicht praktiziert

Es kann nichts passieren, weil wir es nicht anders gelernt haben. Eigenständigkeit und kritisches Hinterfragen von diskriminierenden Strukturen stehen vielleicht in unserem Lehrplan, aber die meisten Lehrpersonen sind so auf ihr Fach vertieft, dass sie diese immens wichtige Lehrtätigkeit vernachlässigen. In unseren Bildungsstätten fehlt die Möglichkeit, sensibilisiert zu werden oder zu lernen wie mensch sich wehrt, wenn wieder einmal „Coolness“ mit Diskriminierung verwechselt wird. Durch Workshops oder feste Verankerungen, die den richtigen Umgang mit Menschen lehren sollten, könnten diese fehlenden Kompetenzen, die jede*r Schüler*in braucht, um einmal ein guter, mündiger und kritischer Mensch zu sein, erlernt werden. Die Schule sollte ein Ort sein, wo sich gezielt mit Gesellschaftspolitik, Diskriminierung, Zivilcourage auseinandergesetzt wird, denn Schule ist der Ort von dem behauptet wird, dass er uns auf das Leben vorbereitet.

Einen weiteren Artikel zu Zivilcourage findest du hier.

Zivilcourage und kritisches Hinterfragen wird in der Schule meistens gänzlich vernachlässigt. Foto: zivilcourage1
Zivilcourage und kritisches Hinterfragen wird in der Schule meistens gänzlich vernachlässigt.