10. Juni 2016
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CasaPound Italia – Wo sich die Identitären ihre Tricks abschauen

Und warum wir sie jetzt stoppen müssen

Nach ihrem Angriff auf ein von Refugees aufgeführtes Theaterstück waren die Identitären kurz in den Medien, doch dieses mediale Interesse war schnell vorbei. Ein Blick nach Italien zeigt aber, dass wir sie nicht ignorieren sollten. Denn die dortige CasaPound Italia hat Vorbildwirkung für Europas Identitäre. Dieser Text setzt sich damit auseinander.

Linken Aktionismus als Vorbild

Lange Zeit waren spontane Aktionen und Hausbesetzungen ein linkes Alleinstellungsmerkmal. Doch am 21. Dezember 2003 änderte sich das in Italien schlagartig. Mehrere rechtsextreme Kleinstgruppierungen besetzten unweit des Bahnhofs ein leerstehendes Haus. Damit war klar, es sollte eine rechte Subkultur entstehen, als Pendant zur linken. Anstelle eines kurzfristigen Wahlbündnisses wollte man längerfristig Strukturen und Raum für rechtsextreme Aktivitäten in ganz Italien schaffen.

13 Jahre ungestörtes Aufbauen

Seit damals konnte die CPI eine enorme Infrastruktur aufbauen. Alleine in Rom gehören der CPI mittlerweile ein Büro, eine Bar, ein Tattoo-Shop, ein Modegeschäft, ein Buchladen, mehrere Hausprojekte, ein eigener Radiosender und eine gänzlich stillgelegte Ubahn Station. Doch das ist nicht alles. Laut Eigenangaben hat die CPI 4.000 Mitglieder in Italien, damit liegen sie nur 1.000 Mitglieder hinter der deutschen NPD, aber auch nur 2.400 hinter den österreichischen Grünen. Die CPI hat Büros an 51 Standorten und 13 Provinzorganisationen. Nicht nur hat man seit 2012 auch den Status einer Partei und auf kommunaler Ebene Mandatsträger_innen, es besteht auch eine eigene Schüler_innenorganisation, der Blocco Studentesco, der bei den letzten Schüler_innenvertretungswahlen in Italien 28% der Stimmen bekam.

Gleichzeitig unpolitisch und faschistisch?

Um vorerst auf unpolitische Weise Jugendliche für sich gewinnen zu können, hat die CPI eigene Sportvereine im Tauchen, Rugbey und Eishockey. Gleichzeitig versuchen sie auch durch Charaktere der Populärkultur oder aus bekannten Filmen auf Plakaten und Forderungsbildern im Internet ansprechend zu wirken, wie zum Beispiel mit Aang aus Avatar, oder Hermine aus Harry Potter. Zusätzlich zur Mitgliedschaft bei der CPI gibt es für Frauen auch die Möglichkeit, Mitglied bei Tempo di essere madri zu werden. Wenn man den Namen übersetzt, wird schnell klar worum sich diese Organsisation dreht: Zeit Mutter zu werden. Nach Überschwemmungen und Erdbeben gründete die CPI eine eigene Zivilschutzorganisation, La Salamandra, die der CPI nicht nur Sympathie entgegenbrachte, sondern es ihr auch erlaubt gemeinnützige Spendengelder zu lukrieren.

Gleichzeitig ist die CPI nach Ezra Pound benannt, einem amerikanischen Dichter und begeisterten Anhänger Mussolinis. Das Logo des Blocco Studentesco ist dasselbe, wie das der British Union of Fascists. Die CPI behauptet zwar antikapitalistisch zu sein, doch dreht es sich bei ihrer Kapitalismuskritik nur um Kritik am vermeintlichen „Jüdischen Wucher“. Die CPI ist ebenso antiziganistisch.

Vorbild aller Identitären Europas

Auf den ersten Blick wirkt die CPI zwar erschreckend, aber ihr feht das „Identitäre“ im Namen, oder dasselbe Logo. Doch die CPI ist so etwas wie eine Blaupause für alle Identitären Europas. Gemeinsam mit der französischen Generation Identitaire betreibt man die rechte Website „zentropa.info“ und die Vorläuferorganisation der Identitären Bewegung in Österreich, Der Funke, besuchte CPI 2011 in Italien. Auch Aktionsformen wie Besetzungen, in Österreich zum Beispiel die Votivkirche, oder Hardbass-Flashmobs mit Flyerverteilung, wurden von der CPI zuerst benutzt und danach übernommen. Obwohl es in Italien auch eine eigene Generazione Identitaria gibt, nennt sowohl das nationalkonservative Medium „Junge Freiheit“ als auch der Politikwissenschaftler Koch CPI als „Identitäre“.

APA/HERBERT PFARRHOFER

Unterschiede und mögliche Zukunftsprognosen für Österreichs Identitäre

Zu lesen, wie leicht CPI innerhalb von nur 13 Jahren eine so beeindruckende Infrastruktur aufbauen konnte, mag eine_n schockieren. Doch die politische Situation Italiens lässt sich nicht 1:1 auf Österreich umlegen. Ein Antreten bei Wahlen ist für die Identitäre Bewegung in Österreich eher unwahrscheinlich. Mit der FPÖ gibt es bereits eine Partei die das rechte Wähler_innenspektrum abdeckt, dafür aber den Identitären weitestgehend die Straße überlässt und gleichzeitig die eigene Jugendorganisation RFJ, Veranstaltungen mit den Identitären durchführen lässt. Das Auftreten als „nette Nachbarschaftshilfe“, haben die Identitären aber bereits von der CPI übernommen. Sie veranstalten Stammtische, starten Petitionen und helfen stets wenn es um Kriminalität geht – so-lange diese von Migrant_innen ausgeht. Genau wie bei der CPI gibt man sich als enttäuschte und vergessene Jugend, die verhindern will, dass Europa verkauft und seine Bevölkerung ausgetauscht wird.

Wie gesagt, Österreich ist nicht Italien und CPI ist nicht die Identitäre Bewegung. Doch was passiert, wenn man eine rechte Jugendorganisation zu lange unbeachtet lässt, kann man am Falle Italiens gut nachvollziehen. Ob es in Österreich genauso aussehen könnte, sollten wir am Besten gar nicht erst herausfinden wollen. Wir müssen die Identitären aufhalten, solange sie noch nicht so stark verankert sind wie ihr Vorbild aus Italien.

Aufmarsch der CasaPound Foto: Pietro Chiocca
Aufmarsch der CasaPound
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