2. März 2016
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Politische Bildung – wie lange müssen wir noch warten?

Themenwoche Bildungswünsche

„Politische Bildung ist wichtig, da wir früher oder später alle wahlberechtigt sind. Es ist unsere Zukunft, die wir entscheiden können." Nicht nur Jamila Böhler, Schulsprecherin am BORG EGG ist dieser Ansicht. Viele Politker_innen, Lehrer_innen und Schüler_innen in ganz Österreich teilen diese Meinung. Doch was bedeutet die Forderung „Politische Bildung als Pflichtfach“ wirklich?

Was für viele Schüler_innen nur wie ein zusätzliches Schulfach klingt, stellt für andere eine wichtige Veränderung und sogleich ein großes Ziel in der Bildungspolitik dar. So denkt auch Barbara Schöbi-Fink, Bildungssprecherin der Vorarlberger ÖVP: „Die Schule ist ein zentraler Ort, wo die gemeinsamen Grundwerte unserer Gesellschaft – Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Rechtsstaat, Trennung von Religion und Politik, Gleichstellung von Mann und Frau… diskutiert und vermittelt werden müssen“. Doch nicht nur Erwachsene sehen die Wichtigkeit hinter dieser Forderung. Es sind vor allem die Schüler_innen selbst, die schon lange nach einem solchen Fach verlangen. Alleine in Vorarlberg wurde diese Forderung inzwischen über zehn Mal im Schüler_innenparlament diskutiert. „Schüler_innen wollen in Zeiten der Globalisierung in der Schule nicht nur über Österreichische Politik diskutieren, sondern auch über Internationale.“, so Alessa Thurnwalder, Schulsprecherin am Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch.

Österreich ist eines der wenigen Länder in denen ab 16 Jahren gewählt werden darf. Trotzdem werden wir in der Schule nicht wirklich über Politik informiert. Politische Bildung als Schulfach wäre hier eine der wenigen Lösungen. „Eine funktionierende Demokratie setzt mündige Menschen voraus, die politische Prozesse verstehen und sich auch dafür interessieren.“ , auch für Michael Ritsch, Parteivorsitzender der SPÖ Vorarlberg, ist dieses Schulfach unumgänglich. „Wir kommen nicht auf die Welt und interessieren uns für verschiedene Themen, vieles hängt mit der Erziehung und dem persönlichen Umfeld zusammen.“, glaubt auch Mimi Hu, AHS-Landesschulsprecherin in Vorarlberg. Die Schule ist ein wichtiger Ort, hier kann für alle eine Konfrontation mit diesem Thema gesichert werden.

„Viele Jugendliche würden sich gerne genauer mit Politik beschäftigten und darüber Bescheid wissen, für welche Themen welche Parteien stehen.“ , so denkt auch Elias Wurzer, Schulsprecher am BORG Bludenz. „Politikverdrossenheit“ ist vielleicht ein Vorurteil, mit dem die Politik immer wieder niedrige Wahlbeteiligungen rechtfertigt, aber ganz sicher keine Eigenschaft von Jugendlichen. Trotzdem stimmt es, dass viele Jugendlich wenig darüber Bescheid wissen was wirklich passiert. Hier „Politkverdrossenheit“ als Grund zu nennen, ist allerdings schlichtweg falsch. „Junge Menschen müssen sich mit nationaler und internationaler Politik auseinandersetzen, um erstens Zusammenhänge zu verstehen und zweitens für die Errungenschaften unseres demokratischen Systems einstehen zu können“, schrieb uns Barbara Schöbi-Fink auf unsere Frage warum sie sich für dieses Schulfach einsetzt. Eine solche Auseinandersetzung, kann und sollte von der Schule gefördert werden.

Und was steht dem ganzen noch im Weg? „Die Politik fokussiert sich zu sehr auf andere Sachen und lässt Politische Bildung und somit die Forderungen von uns Schüler_innen unberücksichtigt liegen“, meint Josipa Arabadzic, stellvertretende Schulsprecherin im BORG Götzis. Da eigentlich alle Parteien sich immer wieder „Pro Politische Bildung“ aussprechen, wird meistens mit dem großen Defizit im Bildungsbudget argumentiert.

Wir haben in Vorarlberg als Teil der Landesschüler_innenvertretung deshalb versucht, selbst ein Zeichen in diese Richtung zu setzen. Wir sahen es als unsere Pflicht an, diese langjährige Forderung ernst zu nehmen und sind deshalb durch Vorarlbergs Gymnasien getourt um dort Workshops zum Thema durchzuführen. Wir werden uns weiterhin engagieren und auch gegenüber dem Landesschulrat nicht locker lassen. Doch es liegt an der Politik, die Anliegen von uns Schüler_innen zu hören, und nach langen Forderungen Lösungen zu finden und endlich Taten zu setzen.

Anmerkung: Wir schickten allen vertretenen Fraktionen im Vorarlberger Landtag eine Anfrage zur Stellungnahme zum Thema Politische Bildung.

http://ev-akademie-wittenberg.de Foto: http://ev-akademie-wittenberg.de