4. März 2016
Geschrieben von

Gegen den Strom

Themenwoche Bildungswünsche

Neulich fragte ich meine Mutter, was sie unter Individualität versteht und bekam die Antwort: „Einzigartigkeit“.
Doch was ist Einzigartigkeit? Was verstehen wir darunter und wo können wir sie finden? Und ist gerade der Schulhof der richtige Ort um danach zu suchen?

Ich denke, dass hinter Individualität mehr steckt als nur Einzigartigkeit. Meine persönliche Definition für Individualität ist unter anderem ein Statement setzen, in irgendeiner Weise aufrütteln zu wollen, Aufmerksamkeit zu erregen und vor allem, das was Individualität am meisten ausmacht – Mut. Mut zur Direktheit, Mut zu reden, Mut eine eigene Meinung zu haben. Mut, der uns oftmals in den Schulen genommen wird.

Jede_r Schüler_in, jede_r ehemalige_r Schüler_in, weiß wie es in der Schule abgeht. Die Lauten werden gehasst, die Leisen werden gemocht. Die Lauten haben keinen Respekt, die Leisen sind lieb und nett. Besonders in den Schulen ist es schwer sich entfalten zu können und zu lernen sich eine eigene Meinung zu bilden, auch weil es der Großteil der Lehrpersonen und das System gar nicht zulassen möchten. Unsere Gesellschaft, auch und besonders in der Schule, hindert uns daran unsere Individualität zu fördern, bzw. selbst zu entdecken. Und da ich denke, dass hinter alldem vor allem Mut steckt, nehmen sie uns somit unseren Mut selbst zu denken. Oftmals habe ich das Gefühl unser Kopf ist nur zur Zierde da, weil ihn wohl niemand mehr zu benutzen braucht. Warum auch? Alles was andere meinen, dass wir zu wissen brauchen, wird uns „erklärt“ oder eingetrichtert. Jugendlichen gibt man immer weniger die Chance sich selbst zu finden und das Resultat daraus ist die stetige Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft. Es wäre viel einfacher für uns, wenn wir nicht an ein System gebunden wären. Wenn wir die Möglichkeit hätten uns zu entfalten und der Fokus nicht auf den Noten liegen würde. Noten sind nur Zahlen. Was sagt das schon über unsere Intelligenz aus? Wir werden eingeengt von Noten von 1-5. Schon schade, wie fünf Zahlen über unsere Zukunft entscheiden. Unter solchen Umständen ist es umso schwerer für uns kreativ zu sein, denn für Kreativität fehlt Raum und Zeit. Ich weiß, dass in uns allen noch viel mehr stecken würde, würde man uns diesen Freiraum lassen und uns die Möglichkeit geben unsere Einzigartigkeit, unser Entfalten, unseren MUT zu zeigen und selbst entdecken zu lassen.

Es sind nicht die sozialen Netzwerke die uns so oberflächlich machen und unsere Individualität rauben, das ist ein Wunschdenken der Erwachsenen, die Schuld an Objekten zu suchen, nein – es ist der Ort an dem man uns erzählt, dass dieser entscheidend für unsere Entwicklung ist, der Ort, der uns bei unser Entfaltung helfen soll, der Ort wo angeblich Gleichberechtigung herrschen soll, der Ort, der sich Schule nennt.

indi Foto: indi